Seite:Robert Bruck Dresdens alte Rathäuser.djvu/17

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

sind, in früheren Jahrhunderten in Sachsen eifrig betrieben, und die sächsische Glasmalerei war ein angesehenes Gewerbe. Nach einem vor 1489 stattgefundenen Brande wurde die Kapelle umgebaut, sie erhielt dann wahrscheinlich ihre auf dem Stiche befindliche Gestaltung, und die nunmehr verkleinerten Fenster wurden im Jahre 1502 mit venezianischen Butzenscheiben versehen. Ursprünglich enthielt die Kapelle zwei Altäre, deren einer den Heiligen Fabian und Sebastian, der andere der heiligen Dreifaltigkeit geweiht war. Späterhin wurde die Kapelle nicht nur in ihrer Gestalt, sondern auch in ihrer Zweckbestimmung verändert. Nach Einführung der Reformation diente sie als Archiv zur Aufbewahrung für Akten, und aus dem Jahre 1567 hören wir von einem Beschlusse des Rates, daß in sie eine Stube eingebaut werden sollte. Zwei Abendmahlskelche aus der Kapelle befinden sich jetzt im Stadtmuseum. An die Kapelle, zwischen ihre Strebepfeiler nach der Marktseite zu, dicht beim Eingange zum Keller, waren zwei Garbuden, Garküchen, eingebaut, die verpachtet waren. Dort holten sich die Bürger die Speisen, die sie bei ihrem Trunke im Ratskeller verzehrten. Auch bei Festlichkeiten auf dem Rathause wurde das Essen von diesen Garküchen bezogen.

Silberner Pokal, 18. Jahrh.
aus dem Ratsschatze (im Stadtmuseum)

Der Keller selbst, der unter verschiedenen Bezeichnungen wie „Weynkeller“, „der Bürger“ oder „der Herren Bierkeller“, „Statkeller“, "Ratskeller“ und, weil in ihm fremdes, hauptsächlich freibergisches Bier zum Ausschank kam, „der freibergische Keller“ genannt wird, zog sich unter dem Rathause hin und bestand aus mehreren gewölbten Räumen. Die Wölbarbeit im Mittelalter geschah ohne die heutigen Berechnungen, es herrschte dabei mehr handwerkliche Überlieferung vor, und so werden sich wohl manchmal derartige Arbeiten als nicht standhaft genug erwiesen haben. Auch bei dem Dresdner Ratskeller machte sich im Jahre 1481, weil die Kellergewölbe einzustürzen drohten, eine große Ausbesserungsarbeit nötig, die Meister Peter der Steinmetz vollzog. Die Vorräte an Wein und Bier, die im Keller lagerten, gehörten dem Rate und dieser ließ den Ausschank durch einen von ihm besoldeten Schenken besorgen. Mit dem Besitze eines Hauses in der Stadt war auch eine Braugerechtigkeit verbunden, so daß in jedem Hause eine größere oder geringere Menge Bier gebraut werden durfte. Zum Ausschank für fremde Weine und Biere hatte jedoch allein der Rat zu Dresden das vom Landesherrn verliehene Vorrecht. In vielen deutschen Städten wurde der Ausschank im Ratskeller in Pacht gegeben, die meist einen großen Gewinn brachte, zumal in Städten, in deren Nähe kein Weinbau betrieben wurde. Wohl einer der berühmtesten deutschen Ratskellerpächter

Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/17&oldid=- (Version vom 9.8.2025)