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war das öffentliche Maß und Gewicht in die Hände der oben genannten Beamten gelegt. An der Ratswage hing unter einem kleinen Schindeldache ein kupferner Scheffel an einer Kette, mit dem ein jeder nachmessen konnte, ob ihm sein richtiges Maß auch zugestellt worden war. Vom Jahre 1502 ab fand dieser Scheffel an der Ecke der damaligen großen Webergasse seinen Platz, die davon seitdem den Namen Scheffelgasse führt.
Der wohlhabende Bürger kaufte sich seinen Bedarf in Vorrat auf den Wochen- und Jahrmärkten von den fremden, zu diesen Zeiten zur Stadt kommenden und dort feilhaltenden Markt- oder Kaufleuten. Der weniger Bemittelte, der wie heute noch von der Hand in den Mund lebte, konnte sich nicht für längere Zeit versorgen, er mußte bei Kleinhändlern oder Handwerkern einkaufen, die ihre Verkaufsstellen oder Werkstätten in Buden auf dem Markte, um die Kirchen, an den Toren oder am Rathause hatten. Am Dresdner Rathause, auf beiden Langseiten, waren die Fleischbänke angebracht, ferner die Brotbänke, die 1558 an den hiernach genannten Brotmarkt verlegt wurden und deren alte Stellen dann die Verkaufsbuden der Kramer, „die Kramen“, einnahmen. Außerdem befanden sich am Rathause die Fischbänke und die Schuhbänke. Eines der wichtigsten und vornehmsten Gewerbe im Mittelalter war das der Gewandschneider oder Gadenleute, die sich mit dem Verkauf fremder Tuche befaßten, weil viele Städte keine einheimische Wollweberei besaßen. Späterhin beschränkte sich ihr Gewerbe auf den Vertrieb des niederländischen Tuches, der Seiden- und Baumwollstoffe. Als das Rathaus im wesentlichen noch als zweistöckiges Kaufhaus bestand, fand, wie aus dem Jahre 1297 bezeugt ist, in dem oberen Stockwerke der Verkauf des fremden, im unteren des einheimischen Tuches statt. Während wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert alle Gewandbänke im Erdgeschoß des Rathauses untergebracht waren, legten die Kürschner zu Jahrmarktszeiten in den oberen Räumen des Hauses ihre Waren zum Verkaufe aus. Im Jahre 1453 erkaufte der Rat das ehemalige Judenhaus auf dem Judenhofe, um in ihm während der Jahrmärkte alle Verkaufsstände der einheimischen Gewandschneider unterzubringen. Die fremden Gewandschneider hatten aber ihre eigenen Verkaufsbuden auf dem Markte. Um dieses Gewerbe während der Hauptverkaufszeit zu vereinen, wurde in den Jahren 1591 und 1592 am Neumarkte bei dem alten Judenhof ein neues geräumiges Gewandhaus errichtet, in dem nun alle Gewandbänke Platz fanden. Man war in jenen frühen Jahrhunderten darauf bedacht, ja es war sogar Marktregel, daß die Verkäufer desselben Produktes möglichst nebeneinander feilhielten. Es entstand dadurch ein freier offener Wettbewerb, und den Marktbeamten wurde damit die Ausübung ihres Berufes, die Überwachung des Handels, erleichtert. Aus demselben Grunde verlegte man vielfach die einzelnen Handwerke in bestimmte Straßen. In Dresden erinnern Straßennamen wie Töpfergasse, Webergasse, Gerbergasse, Schuhmachergasse usw. an diesen Gebrauch. Auch die Fleischbänke mußten ihren ursprünglichen Platz am Rathause durch einen Beschluß vom Jahre 1487 ändern. Das „Geniste“ um das Rathaus war dem Rate zu feuergefährlich. Die Bänke wurden abgebrochen und dem heftigsten Widerstande der Fleischerinnung zum Trotze auf einem vom Abt zu Zelle in der kleinen Webergasse erkauften Platze wieder aufgebaut.
Noch eine Stelle am Rathause ist zu erwähnen, die eine bedeutsame Rolle im städtischen Leben des Mittelalters spielte. Es war ein von Schranken eingefaßter Platz bei der Kapelle an der Schössergasse, auf dem sich die Gerichtsbank befand. Im Volksmunde hieß diese Stelle „der Schrank“. Neben dem „Schrank“ stand der Pranger, an
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/20&oldid=- (Version vom 11.8.2025)