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den Rat zur Beseitigung des alten Rathauses zu bewegen. Der Kurfürst schreibt dem Rate am 3. November 1707, das Rathaus auf dem Altmarkt enge den Platz ein und zerstöre dessen Eindruck. Bei seinen großartigen Planungen von Straßenanlagen fand der kunstliebende Kurfürst keine Unterstützung von seiten des Rates seiner Residenzstadt. Im Kurfürsten verkörperte sich in künstlerischer Beziehung die moderne vorwärtsstrebende Richtung, während der Rat das beharrende, am Altgewohnten haftende Element darstellte. Dem Kurfürsten war der mit Buden besetzte Altmarkt und der vor dem Rathause sich drängende Verkehr ein unliebsamer Anblick. Der Neumarkt mit dem zu einem Rathause umzugestaltenden Gewandhause schien ihm dafür der geeignete Platz, und der vom Verkehre dann freiere Altmarkt sollte zu einem vornehmen Platze ausgebaut werden. Er nahm deshalb den von seinen Ahnen Kurfürst August, Christian I. und II. in betreff der Verlegung des Rathauses ausgesprochenen Wunsch auf, befahl den Abbruch des Rathauses und die Einrichtung des Gewandhauses auf dem Neumarkt für die Zwecke des Rates. Bis dahin sollte man für die Akziseinnahme ein Privathaus auf dem Altmarkte mieten. Dem Rate ging damals ein sehr gründlicher und sachverständiger Vorschlag von Knauth zu, wie die Einrichtung des Gewandhauses zu einem Rathause mit allen seinen Bedürfnissen geschehen könne. Das Gutachten ist für die damalige Zeit bemerkenswert. Es gibt uns den Grundriß vom Gewand- und Kommandantenhaus in jener alten unperspektivischen Manier, mit umgeklappten Toren gezeichnet, doch sehr übersichtlich in der Raumverteilung. Es wird darin genau aufgezählt, was der Rat damals für Räume bedurfte, unter denen auch solche für Bilder- und Kupferstichhändler, für Verkäufer von holländischem Porzellan, Waldenburger Gefäßen und Gläsern aufgeführt werden. Der Vorschlag blieb unberücksichtigt, weil er ganz gegen die Wünsche des Rates ging, der an dem belebtesten Platze der Stadt verbleiben wollte und von der Ansicht durchdrungen war, daß Rathaus und Markt wie in ihrem Verkehre auch räumlich zusammengehörten. Bei Kurfürst Christians II. Lebzeiten hatte der Rat verlangt (30. Oktober 1610), daß ihm bei einem etwaigen Abbruch seines Rathauses auf Kosten der kurfürstlichen Kammer oder der Landschaft ein neues Rathaus erbaut werde. An Kurfürst Friedrich August eine solche Forderung zu stellen, wagte der Rat nicht, er verlegte sich auf Ausflüchte und Bitten, z. B. die beim Rate in Verwahrung befindlichen Kaufverträge und Akten seien an einem anderen Platze nicht sicher unterzubringen, oder der Ratskeller hätte früher, bevor es so viele Winkelstuben gegeben habe, viel mehr eingebracht, in diesem Jahre, 1707, nur 900 Gulden; würde der Ratskeller mit dem Rathause auf den vom Verkehr abgelegenen Neumarkt verlegt, sei eine bedeutendere Mindereinnahme sicher. Auch die nahe Nachbarschaft mit der Miliz und dem „Corps de guarde“ auf dem Jüdenhofe würde zu Mißhelligkeiten führen. Vergeblich bemüht sich der Rat, den Kurfürsten zur Rücknahme seines Befehles zu bewegen; dieser läßt schließlich durch seinen Geheimen Rat von Hoymb drohen, er werde es, wenn der Rat mit dem Abbruche noch länger zögere, durch seine Miliz abbrechen lassen. Der Rat erreichte aber wenigstens, daß der Kurfürst von seinem Wunsche, das Rathaus auf den Neumarkt zu verlegen, Abstand nahm. Am 3. Dezember 1707 empfahl er dem Rate das Beuchlingsche Haus am Altmarkte, Ecke der Schreibergasse, bis ein neues Rathaus hergerichtet sei. Trotzdem eine Besichtigung des Beuchlingschen Hauses mit Ausnahme eines Saales nur das Vorhandensein von „ganz finsteren Räumen“ feststellte, richtete der Rat sich in dem Hause ein. Das erste Stockwerk wurde für den Sitzungssaal und für Expeditionsräume verwendet, Erdgeschoß und Keller dienten für die Ratswage

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Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/22&oldid=- (Version vom 11.8.2025)