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Das zweite Dresdner Rathaus

Der Rat sucht nun ein geeignetes Haus am Altmarkt zu erwerben, um seine Ämter dorthin zu verlegen. Immer wieder wird er vom Kurfürsten zur Eile gedrängt, der wiederholt den Wunsch ausspricht, daß das Gewandhaus auf dem Neumarkt als Rathaus benutzt werde, wenn es nicht bald gelinge, ein passendes Haus am Altmarkt zu finden. Kaufgebote von Häusern, die nicht am Altmarkt lagen, z. B. das Klengelsche Haus auf der Kreuzgasse, das zwanzig Stuben und feuerfeste Gewölbe hatte, schlug der Rat aus; seine Absicht, das Gottfried Matthäische Haus, das Gasthaus zum goldenen Ring in der Scheffelgasse, das am Markte neben dem Eckhause an der Webergasse lag, zu kaufen, fand nicht die landesherrliche Genehmigung. Im Jahre 1709 kaufte endlich der Rat mit Zustimmung des Kurfürsten das gräflich Taubesche Haus an der Ecke des Marktes und der Scheffelgasse und richtete es zum Rathause ein. Nicht lange aber genoß er die schwer erkämpfte Freude ungestörter Arbeit. Bereits im Jahre 1729 erkannte man die Baufälligkeit des Hauses, das nicht mehr imstande war, den schweren durch die vier Stockwerke hindurchgehenden Erker, der mit keinem besonderen Fuß versehen war, zu tragen. Das von dem Ratsmaurermeister Johann Gottfried Fehre und dem Ratszimmermeister George Bähr unterschriebene Gutachten vom 1. März 1729 entwirft ein trübes Bild von dem Zustande des Baues. Man kam schließlich dazu, an der Front Anker einzulegen und dem ganzen Gebäude mit Unterzügen zu Hilfe zu kommen. Ähnliche Erhaltungsarbeiten werden auch im Jahre 1732 vorgenommen. Die Baufälligkeit des Hauses war 1740 so weit fortgeschritten, daß der Zustand unhaltbar wurde. Die Holzbalken waren verfault, die Mauern stark ausgewichen, das Dach so schadhaft, daß Kontraktbücher und Akten nicht vor Nässe zu bewahren waren. Der Rat hatte den Beschluß gefaßt, das Haus niederzureißen und von Grund auf neu zu erbauen. Er kaufte am 15. April 1740 das in der Scheffelgasse unmittelbar anstoßende Leporinische Haus hinzu. Hier gewann man einstweilen die nötigen Diensträume und überführte dahin die Ratsakten. Zu dem Neubau erbat sich der Rat die Erlaubnis des Kurfürsten, der sie auch erteilte, jedoch mit der Bedingung, daß ein oder zwei an das Rathaus angrenzende Häuser am Markte hinzugekauft würden. Nach der Hinzuziehung des Leporinischen Hauses waren die hauptsächlichsten und meisten Räume des Rathauses nach der Scheffelgasse zu gelegen. Der künstlerisch so fein empfindende Kurfürst hatte aber den lebhaften Wunsch, daß das Rathaus nach dem Platze, also dem Markte, seine Front entfalte, damit es diesem als ein stattlicher Fassadenbau zum Schmucke gereiche. Für den Rat erwuchsen durch den Wunsch des Kurfürsten nun schwierige Verhandlungen. Das dem Rathause am Altmarkte benachbarte Haus gehörte den Gebrüdern von Döring, die es von ihrem Vater, der es im Jahre 1718 für 7000 Taler erkauft, ererbt hatten. Auf eine Anfrage teilten die Gebrüder von Döring dem Rate mit, daß sie eigentlich nicht gesonnen seien, ihr Haus zu verkaufen, sie wollten aber dem Wunsche des Kurfürsten entsprechen und verlangten 12 000 Taler und 500 Taler Schlüsselgeld, d. h. Vermittlungsgebühren und Kosten. Der Rat hatte 7000 Taler und 500 Taler Schlüsselgeld

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Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/24&oldid=- (Version vom 15.8.2025)