Seite:Robert Bruck Dresdens alte Rathäuser.djvu/36

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


Das alte Rathaus in Altendresden

Das Aussehen des alten Rathauses in Altendresden, das im Jahre 1455 urkundlich erwähnt wird und von dem wir nur wissen, daß es mit Schindeln gedeckt war und ein Glockentürmchen besaß, ist uns in seiner späteren Gestalt, die es im 16. Jahrhundert angenommen hatte, auf einem Gemälde Canalettos überliefert worden. Die sachlich so getreuen, dabei künstlerisch fein empfundenen Stadt- und Straßenansichten Canalettos sind für Sachsen baugeschichtliche Dokumente, nach denen man sich manche alte, heute nicht mehr vorhandene oder veränderte Plätze und Bauten vergegenwärtigen kann.

Auf dem Canalettoschen Bilde sehen wir, daß das Rathaus einstmals am Markte stand, vor den Häusern, die heute zwischen der Hauptstraße und der Kasernenstraße liegen. Daß es von allen Seiten frei stand, beweist der Umstand, daß an seiner Rückfront eine äußere Treppe direkt in das Obergeschoß führte. Das Haus stellt sich dar als ein zweigeschossiger schlichter Bau mit Erdgeschoß und einem Obergeschoß, der von einem hohen Dache, auf dessen Mitte ein Glockentürmchen mit mehrseitiger Zwiebelkuppel saß, bedeckt war. Der Grundriß wie auch das äußere Aussehen des Hauses zeigen, daß es nicht wie die Altstädter Rathäuser aus verschiedenen Bauperioden stammt oder aus mehreren Wohnhäusern zusammengefügt, sondern einheitlich von Grund auf als Rathaus erbaut war. Die beiden Seitenfronten waren mit Renaissancegiebeln, deren Spitzen Obelisken krönten, ausgebildet, während die Hauptfront zwei kleine Eckgiebel in Dreipaßform mit überhöhtem Mittelteil aufweist, Dachausbauten, durch die man abgesonderte kleine Räume im Dachboden gewann. An der Hauptfront führten drei Türen in das Innere des Gebäudes. Links sieht man eine kleine eisenbeschlagene Holztüre und eine schmale Tür an der rechten Hausseite, während im rechten Teile der Front, mehr nach der Mitte zu, der Haupteingang war. An dieser mit steinernen Gewänden versehenen Haustüre dienten unten zu beiden Seiten auskragende Steine als Sitzplätze. Solche Türen sind in Dresden noch an verschiedenen Stellen erhalten, bei vielen sind freilich die Sitzsteine als Verkehrshindernis entfernt worden. Über der Tür war ein von schlanken Säulchen eingefaßtes und durch halbrunde Verdachung geschütztes herzogliches Wappen mit der Jahreszahl 1527 angebracht. Das Haus hatte im ersten Stockwerk links vom Haupteingang, der zum Vorraum und Treppenhaus führte, vier, rechts zwei Fenster. Hinter den vier Fenstern befand sich wohl der Hauptsaal des ganzen Baues, die Ratsstube, die wie in Dresden-Altstadt auch hier den Bürgern gelegentlich als Tanzboden diente. Auch im Altendresdner Rathause war ein Ratskeller, in dem von einem Pächter Wein und Bier und während der Advents- und Fastenzeit auswärtiges Freiberger Bier verschänkt wurde. Damit aber die Besitzer der in der Nähe befindlichen Häuser in ihrer Brau- und Schankgerechtigkeit nicht geschädigt würden, durfte einheimisches Bier nur dann im Ratskeller verschänkt werden, wenn die Nachbarn das Quantum, das sie brauen und ausschenken durften, abgesetzt hatten. Spiel und tätlicher Streit wurde auch hier als Friedbruch bestraft; doch berichten die Akten bereits im 15. Jahrhundert nur von Geldstrafen. Auch hier wie in Neudresden lag die Garküchenbude wahrscheinlich

Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/36&oldid=- (Version vom 26.8.2025)