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am Kellereingang, während Brotbänke und Fleischbänke an der Rückseite des Hauses angelegt waren.
Der Baustil des Rathauses, wie ihn das Bild Canalettos zeigt, weist als Zeit der Erbauung ungefähr auf das erste Viertel des 16. Jahrhunderts hin, die Zeit, in der in Sachsen zuerst der Stil der Renaissance Eingang gefunden hat. Als Baumeister wird Melchior Trost genannt. Als im Jahre 1550 die Vereinigung Altendresdens mit der Residenzstadt stattfand, drohte dem Rathause die Gefahr, als Wohnhaus und Werkstätte für den Teppichmacher des Kurfürsten Moritz eingerichtet zu werden. Der Rat wußte jedoch den hierzu bereits erlassenen Befehl des Kurfürsten rückgängig zu machen, indem er hervorhob, daß das Rathaus zur Abhaltung der Altendresdner Gerichte dienen müsse und den Bürgern kein anderer Saal als die große Ratsstube für ihre Hochzeiten und andere Festlichkeiten zur Verfügung stände. So blieb das Altendresdner Rathaus Gerichtsstätte

Tisch aus dem Altendresdner Rathause um 1500
(im Museum des Altertumsvereins)
und wurde sogar im Jahre 1677 gründlich erneuert. Bei dieser Erneuerung brachte man unter dem Hauptgesims in großen römischen Buchstaben die einzeilige Inschrift an: „Concordia parvae res crescunt, discordia magnae dilabuntur“. Von dem verheerenden Brande vom Jahre 1685 blieb das alte Rathaus verschont. Erst Ende der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts wurde es abgetragen. Nur geringe Reste der Ausstattung des alten Rathauses haben sich in unsere Zeit hinübergerettet. Dazu gehört der oben erwähnte Wappenstein, der sich jetzt im Stadtmuseum befindet; außerdem beherbergt das Museum des Königl. Sächs. Altertumsvereins einen Tisch, dessen Eichenplatte mit tiefem Tischkasten auf breiten Füßen ruht und der an den Kastenseiten innen und außen, sowie an den Fußwänden, mit einem Maßwerk in Flachschnitzerei geschmückt ist. Blaue, weiße und rote Farbspuren seiner einstigen Bemalung sind noch sichtbar. Dasselbe Museum bewahrt zwei Steine in Flaschenform auf, die ebenfalls aus dem Rathause stammen und auf dem Canalettoschen Bilde vor dem Fenster hängend zu sehen sind. Mit solchen Steinen von beträchtlichem Gewichte – denn sie messen 32:34 Zentimeter und sind 13 Zentimeter dick – um den Hals wurden Weiber öffentlich am Pranger ausgestellt oder an einem
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/38&oldid=- (Version vom 26.8.2025)