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Das neue Rathaus zu Dresden-Neustadt
Obwohl das alte Rathaus die Brandkatastrophe des Jahres 1685 unversehrt überdauert hatte, konnte der altertümliche Bau den Ansprüchen eines mit großen künstlerischen Planungen, neuen Straßenzügen und Errichtung von Prachtbauten sich beschäftigenden Herrschers, wie es Kurfürst Friedrich August I. war, nicht mehr genügen. Im Jahre 1732 wurde auf Befehl des Fürsten die Regulierung des Neustädter Marktes begonnen und die Lindenallee in der Hauptstraße gepflanzt. Er befahl dem Rate, das alte Rathaus abzubrechen und ihm Entwürfe für die Errichtung eines neuen einzureichen. Am 20. März 1732 reichte daraufhin der Rat mit einem Bericht an den Generalfeldmarschall Grafen von Wackerbarth Pläne für den Neubau ein. Das neue Rathaus sollte an der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße erbaut werden, an der Stelle des alten Gewandhauses. Neben dem Gewandhause stand bis zum Brande von 1685 ein Malz- und Brauhaus, die Stätte lag seitdem wüst und war trotz mehrfacher Mahnung des Kurfürsten bislang vom Rate, der sie bereits im Jahre 1686 von dem Handelsmann Christian Zenker für 1275 Gulden Meißnisch erkauft hatte, nicht bebaut worden. Diese Baustelle wurde mit in den Bauplan einbezogen. Der Bau sollte im untersten Stockwerk die Fleisch- und Brotbänke und den Ratskeller enthalten, im oberen Stock die Richterstube und die zugehörigen Räume mit einem geräumigen Vorsaal, in dem die Leinwandhändler zu Jahrmarktszeiten ihre Waren feilhalten konnten. Das dritte und oberste Geschoß war als Gewand- und Tuchhaus vorgesehen und in der Front nach dem damaligen Schulgäßchen, heute Rathausgäßchen, sollte das Brau- und Malzhaus errichtet werden, das in der engen Gasse, nach Ansicht des Rates, wenig zu sehen war und niemanden stören konnte. Vom Rate wird insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß unter allen Umständen die Fleischbänke, 24 an der Zahl, die bisher in dem alten Gewandhause waren, auch in Zukunft bei dem Neubau an derselben Stelle belassen werden müßten. Die Bänke gehörten den in Neustadt wohnenden Meistern der Fleischerinnung und waren mit 800, 1000 Gulden und mehr käuflich erworben worden; außerdem hatte aber die Fleischerinnung, die fast in allen Städten in früheren Jahrhunderten eine der wohlhabendsten und daher einflußreichsten Innungen war, dem Rate Kapitalien vorgeschossen, die gerichtlich auf die Fleischbänke eingetragen waren. Dem Rate war die Rückzahlung dieser Gelder in der damaligen Zeit nicht möglich, wie er auch davor zurückschreckte, die Unzufriedenheit der Fleischerinnung zu erregen. Die eingereichten Pläne fanden die Genehmigung des Kurfürsten, der im Jahre 1732 dem Rate 50 000 Taler zum Zwecke der Wiedererbauung der Kirche und zum Neubau eines Rathauses bewilligte. Doch das Geld reichte nicht einmal zum Kirchenbau aus. Nach wiederholten von seiten des Kurfürsten ergangenen Mahnungen, endlich den Neubau des Rathauses zu beginnen, so vom Jahre 1739, 1744 und 1747, entschuldigt sich schließlich der Rat, er sei durch die Kriegszeiten und Kontributionszahlung finanziell so geschwächt, daß er nicht bauen könne. Der Rat hoffte vergeblich auf bessere Zeiten, um endlich sein neues Rathaus errichten zu können, doch die neuen Anlagen des Kurfürsten nahmen auch den Ratssäckel immer von
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/41&oldid=- (Version vom 28.8.2025)