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auf dem früheren alten Rathause ersucht wird, „da selbige beständig unrichtig gehet, öffters zu viel oder zu wenig, vielfältigmahl aber gar nicht schläget und stille steht“. „Neustadt“, sagt von Bodt, „sei doch eine Stadt mit nicht wenig distinguirten und mit nicht nur vielen, sondern auch meistenteils honorablen Bewohnern angefüllt und mache einen großen Teil der Königl. Residenz aus. Es sei doch sehr schlimm, daß in Neustadt nicht ein accurater Zeiger, oder Schlaguhr, welche man doch wohl auf manchem geringen Dorfe findet, vorhanden sei, nach welchem man sich richten und besonders auch der Soldat die ordentliche Ablösungszeit zuverlässig regulieren könne.“ Die Glocken zum Viertel- und Stundenschlag goß Joh. Gottfried Weinholdt im Jahre 1754 in der königlichen Stückgießerei. Zu dem Gusse erhielt Weinholdt zwei alte Seigerschellen und zwei Glocken vom alten Neustädter Rathause. Der Glockenguß in Gegenwart des Bürgermeisters ist in den über den Neubau des Rathauses handelnden Akten ausführlich beschrieben. Der Uhrturm mit Knopf und Wetterfahne wurde im Jahre 1801 durch einen heftigen Sturm beschädigt und einer gründlichen Ausbesserung unterzogen.
Das Neustädter Rathaus ist im wesentlichen noch heute in seiner ursprünglichen äußeren Gestalt erhalten. Es ist ein sehr schlicht und schmucklos gehaltener Bau, der nur durch die fein empfundenen, sorgfältig abgewogenen Verhältnisse wirkt. Anstelle der früheren Fleisch- und Brotbänke und der Portechaisenstation wurden in den Jahren 1868 bis 1870 zwölf Verkaufsläden eingerichtet, während das Erdgeschoß am Marktplatz ein den Namen Ratskeller führendes Restaurationslokal enthält. In den oberen Stockwerken befinden sich die Räume des im Jahre 1767 begründeten städtischen Leihhauses, sowie Filialen der städtischen Sparkasse und der Stadtsteuereinnahme. Über dem Tore am Markt ist das Stadtwappen angebracht, auf dessen Spruchbande die Jahreszahl der Erbauung „Anno MDCCL“ steht. Als Wetterfahne ziert ein zweites, von einem Löwen gehaltenes Stadtwappen den 17 Meter über den Dachfirst emporragenden hölzernen Turm.
Die Front nach der Hauptstraße ist durch ein Mittelrisalit mit einem Segmentgiebel gegliedert. In dem Giebel steht die Inschrift:
| „Auspiciis |
| Friderici Augusti Reg. Pol. |
| Elect. Sax. Patris Patriae Opt. Pii Fel. |
| Hanc Curiam Exstruxit Senatus Dresd.“ |
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/45&oldid=- (Version vom 28.8.2025)