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Die alten Pläne der deutschen Städte zeigen trotz der Mannigfaltigkeit ihrer Anlage manches Übereinstimmende. Hauptstraßen leiteten den Verkehr nach dem Mittelpunkte der Stadt, dem Markt, als dem Herzen des Gemeinwesens. Es war ein von Häuserreihen umgebener Platz, an dessen Seiten die Hauptstraßen vorüberführten. Ungestört konnte sich der Marktverkehr abwickeln. In der Nähe des Marktes, auf einem kleineren ruhigeren Platze, auf den enge Zugangsstraßen mündeten, stand meist die Kirche. Vielfach tritt bei den mittelalterlichen Stadtanlagen noch ein drittes Gemeinsames hinzu, die Wohnstätte eines Fürsten, die Burg, die immer an der für die Verteidigung wichtigsten Stelle zu finden war, auf dem die Stadt überragenden Hügel, an dem Kreuzungspunkte der Hauptverkehrsstraßen, an besonders wichtigen Flußübergängen. Burg, Kirche und Markt vergegenwärtigen die drei Machtvollkommenheiten, welche das Leben, Gedeihen und die Schicksale der deutschen Städte im Mittelalter wesentlich beeinflußten und bestimmten. Die Burg der Sitz des weltlichen Machthabers, die Kirche das Bereich der Geistlichkeit, der Markt der Mittelpunkt des bürgerlichen Gemeinwesens. An ihm erbaute sich dieses von alters her sein Haus, in dem sich auswärtiger Handel vollzog, in dessen Saale die Bürger zusammentraten, um über Wohl und Nutzen der Stadt zu beraten, freudige Ereignisse und Hochzeiten, an denen oft die ganze Bevölkerung teilnahm, zu feiern. Im Stadt- oder Rathaus und seiner Einrichtung sehen wir somit den Sammelplatz des bürgerlichen Lebens, an seinem Baue können wir meist auch die Geschichte der Stadt verfolgen. Es erzählt uns von ihrer einstigen Größe und von einem Rückgang durch Kriegszeiten und Not, Belagerung, Brand und Pest, oder es ist ein Zeuge dafür, wie aus kleinen, bescheidenen Anfängen sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte zu der heutigen Blüte und Größe entfaltet hat. Glücklich die Stadt, deren Rathaus von letzterer Entwicklung berichtet. Mit Genugtuung kann man feststellen, daß Dresden zu diesen glücklichen Städten zählt.
In einem Schiedsspruche des Markgrafen Dietrich vom 31. März 1206 wird Dresden zum erstenmal urkundlich genannt. Die Regelmäßigkeit der alten Stadtanlage beweist die Erbauung nach einem vorher festgestellten Plane. Markgraf Dietrich kann man, nach allem bisher Bekannten, als den Begründer der Stadt und das Jahr 1216, nach einer von ihm in diesem Jahre ausgestellten Urkunde, als das der Vollendung des Stadtbaues bezeichnen. Im Gegensatze zu dem auf dem rechten Elbufer gelegenen alten Dorfe Altendresden, der ältesten Ansiedelung, wird die neu gegründete Stadt Dresden auch Neudresden genannt. Altendresden und Neudresden haben dann mit verschiedenen Wochenmarkttagen, Montags in Dresden und Freitags in Altendresden, nebeneinander bestanden, bis es 1549 zur Vereinigung beider Orte kam. Seitdem fand der Markt an beiden Tagen, Montags und Freitags, nur noch in Dresden statt. Altendresden war zur Vorstadt herabgesunken, bis im 18. Jahrhundert ein neuer Aufschwung dieses Stadtteiles eintrat und Altendresden, von nun an Neustadt genannt, wieder jeden Dienstag und Donnerstag Wochenmärkte erhielt. Von seinem Neuerblühen im 18. Jahrhundert legt auch sein Rathaus Zeugnis ab.
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/9&oldid=- (Version vom 27.8.2025)