Kurs:Stochastik/Siebformel

Einführung

Für paarweise disjunkte Mengen liefern die Eigenschaften eines Wahrscheinlichkeitsmaßes eine Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit von additiv über die Einzelnwahrscheinlichkeiten zu berechnen - siehe (P3).

Vereinigung von nicht-disjunkten Mengen

Möchte man allerdings die Wahrscheinlichkeit einer Vereinigung von Mengen berechnen, so gilt im Allgemeinen:

Die Ungleichung entsteht dadurch, dass auf der rechten Ungleichungsseite in der Summe der Einzelwahrscheinlichkeiten Schnittmengen mehrfach berücksichtigt werden.

Aufgabe

Beweisen Sie die Ungleichung

mit den Axionen des Wahrscheinlichkeitsmaßes. Stellen Sie dazu als Vereinigung disjunkter Ereignisse mit und mit dar und nutzen Sie die Ungleichung für .

Siebformel für Wahrscheinlichkeiten

Sei ein Wahrscheinlichkeitsraum und mit beliebig gewählt. Wenn für alle auch erfüllt ist, dann kann man die Wahrscheinlichkeit der Vereinigung wie folgt berechnen:

.

Beweis der Siebformel

Der Beweis erfolgt über vollständige Induktion über mit .

Schritt 1 - Induktionsanfang

Sei dann gilt wegen und disjunkt die folgende Gleichungskette:

.

Schritt 2 - Induktionsanfang

Die letzte Gleichung kann man in die Summennotation der Siebformel wie folgt überführen:

.

Induktionsvoraussetzung

Die Siebformel gilt für ein festes mit :

.

Induktionsbehauptung

Die Siebformel gilt für auch :

.

Induktionsschritt von m auf m+1

Man verwendet den Induktionsanfang mit : ebenfalls in der Induktionsbehauptung, wobei und gewählt wird.

Induktionsschritt 1

Man zerlegt die Vereinigung bis in eine Vereinigung bis vereinigt mit der -ten Menge , um auf die Induktionsanfang für die Vereinigung von 2 Mengen anzuwenden.

Anwendung der Induktionsvoraussetzung in 1

In Induktionsschritt 1 kann man nun die Induktionsvoraussetzung

Induktionsschritt 2

Man schreibt nun nach Anwendung der Induktionsvoraussetzung die Ersetzung von durch die Induktionsvoraussetzung etwas um:

Induktionsschritt 3

Man ersetzt nun aus Induktionsschritt 1 den letzten Summanden und wendet erneut die Induktionsvoraussetzung auf Vereinigungen an.

Induktionsschritt 4

Für schreibt man nun als Summe um, die de facto nur aus einem Summanden besteht:

Die Summe besteht nur aus einem Summanden, da eine einelementige Menge ist, die dann auch noch enthalten muss. Für gibt es daher nur diese Möglichkeit.

Induktionsschritt 5

Das Umschreiben dient aus Induktionsschritt 4 dient dazu, den Term wie folgt darzustellen.

Induktionsschritt 6

Man formt nun noch den Term aus Induktionsschritt 1 um:

Die Erhöhung des Indexschranke von auf führt nicht zu weiteren Summanden, da es keine -elementige Teilmenge von gibt, die nicht enthält. Daher gilt die letzte Gleichung.

Induktionsschritt 7

Der Induktionsschritt 6 zusammen mit Induktionsschritt 5 eingesetzt in Induktionsschritt 1 die Induktionsbehauptung.

Dabei wurden die Fälle und zusammengefasst..

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