entnationalisieren

entnationalisieren (Deutsch)

Verb

Person Wortform
Präsens ichentnationalisiere
duentnationalisierst
er, sie, esentnationalisiert
Präteritum ichentnationalisierte
Konjunktiv II ichentnationalisierte
Imperativ Singularentnationalisier!
entnationalisiere!
Pluralentnationalisiert!
PerfektPartizip IIHilfsverb
entnationalisiert haben
Alle weiteren Formen: Flexion:entnationalisieren

Worttrennung:

ent·na·ti·o·na·li·sie·ren, Präteritum: ent·na·ti·o·na·li·sier·te, Partizip II: ent·na·ti·o·na·li·siert

Aussprache:

IPA: [ɛntnat͡si̯onaliˈziːʁən]
Hörbeispiele:  entnationalisieren (Info)
Reime: -iːʁən

Bedeutungen:

[1] aus einem Staatsgefüge entlassen, die Staatsbürgerschaft entziehen
[2] einer Volksgruppe/Minderheit die kulturelle Identität entziehen
[3] staatlichen Einfluss verringern (auf Organisationen, Unternehmen oder Ähnliches); speziell: staatliches Vermögen in Privateigentum überführen

Herkunft:

Ableitung zum Stamm des Verbs nationalisieren mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) ent-

Synonyme:

[1] ausbürgern, abschieben, aussiedeln, ausweisen
[3] entstaatlichen, privatisieren, reprivatisieren

Sinnverwandte Wörter:

[2] Ethnozid begehen

Gegenwörter:

[1, 3] nationalisieren
[3] verstaatlichen

Beispiele:

[1]
[2] „[...] daß es wünschenswert wäre, daß die Deutschen in Ungern sich entnationalisieren, dort Slaven, da Madjaren, dort Walachen werden [...].“[1]
[2] „[...] führt er aus, daß das böhmische Kind in der Schule des Deutschen Schulvereins entnationalisiert werde.“[2]
[2] „Unter den schwersten Umständen haben sie ihre Sprache, ihre Gebräuche und Sitten bewahrt, und trotz aller Versuche sie zu entnationalisieren, sind sie nie in ein anderes Volk aufgegangen.“[3]
[2] „So hat man eine nationale Minorität entwurzelt und so entnationalisiert man in Preußen weiter eine nationale Minderheit.“[4]
[2] „[...] führte das faschistische Regime tragischerweise eine Zwangsitalianisierung unter zentralistischem und nivellierendem Vorzeichen durch, indem es die ursprünglichen Grundmerkmale der Volksgruppen zu entnationalisieren versuchte.“[5]
[3] „Deshalb sind alle Versuche, die Spiele zu entnationalisieren, indem man auf Fahnen und Hymnen verzichtet, gescheitert.“[6]
[3] „Wir haben schon vor langer Zeit entschieden, die Wirtschaft zu entnationalisieren, mit verschiedenen Eigentumsformen...“[7]

Wortbildungen:

Entnationalisierung

Übersetzungen

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1, 3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „entnationalisieren“
[1, 3] Duden online „entnationalisieren“
[1–3] v. Beseler/Jacobs Law Dictionary „denationalize", Übersetzung dort[8]

Quellen:

  1. ↑ Karl Julius Schröer: Versuch einer Darstellung der Deutschen Mundarten des ungrischen Berglandes. Die Laute der Deutschen Mundarten des ungrischen Berglandes. Unveränderter Nachdruck der Originalausgabe von 1864. S. 14. Salzwasser Verlag, Frankfurt 2022.
  2. ↑ Zur Entwicklungsgeschichte der Schule: Österreich. In: Pädagogischer Jahresbericht von 1884 (Hrsg. Friedrich Dittes). S. 736. Friedrich Brandstetter, Leipzig 1885 (Zugriff=2023-09-16).
  3. ↑ Eugen Brote: Die rumänische Frage in Siebenbürgen und Ungarn. S. 333. Puttkammer und Mühlbrecht, Berlin 1895 (Zugriff=2023-09-15).
  4. ↑ Anon (Sk). Die Wendenschulmeister und ihr stilles Werk gegen die Lausitzer Serben. In: Kulturwehr, Zeitschrift für Minderheitenkultur und -Politik. Februar 1931 (Heft 2) S. 56 (Zugriff=2023-09-15).
  5. ↑ Carlo Ghisalberti: Die Lage der Minderheiten im italienischen Nationalstaat. In: Die Minderheiten zwischen den beiden Weltkriegen (Hrsg. Umberto Corsini, Davide Zaffi), S.38. Duncker und Humblot, Berlin 1997 (Zugriff=2023-09-15).
  6. ↑ »Warum soll nur der Sport Opfer bringen«. In: Spiegel Online. 27. Januar 1980, ISSN 0038-7452 (URL, abgerufen am 5. Dezember 2025).
  7. ↑ Mit doppelter Zunge. In: taz.de. 8. Februar 1996, ISSN 2626-5761 (URL, abgerufen am 5. Dezember 2025).
  8. ↑ Barbara Jacobs-Wüstefeld (Hrsg), v. Beseler/Jacobs Law Dictionary. Fachwörterbuch der anglo-amerikanischen Rechtssprache/Englisch-Deutsch/English-German S. 521. Berlin, New York: de Gruyter, 1986 (Zugriff=2023-09-15)