Fred Hamel (geboren als Fergus Edward Hamel 19. Februar 1903 in Paris; gestorben 9. Dezember 1957 in Hamburg) war ein deutscher Musikwissenschaftler britischer Nationalität.
Leben
Nach dem Besuch eines Berliner Realgymnasiums studierte Fred Hamel in Bonn und Berlin Naturwissenschaften, 1926 wurde er zum Dr. chem. promoviert. Daran schloss sich ein Studium der Musikwissenschaft an. Von 1926 bis 1928 studierte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität (Berlin) bei Max Friedländer, Johannes Wolf, Hermann Abert, Curt Sachs, Arnold Schering und Friedrich Blume sowie abschließend 1929/30 bei Rudolf Gerber an der Universität Gießen. Hier wurde Hamel 1931 mit der Dissertation Form- uns Stilprinzipien in der Vokalmusik Johann Rosenmüllers zum Dr. phil. promoviert.
Von 1927 bis 1945 arbeitete er als Musikkritiker bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung und schrieb von 1933 bis 1940 unter dem Pseudonym Hans Lyk für die Zeitschrift Deutsche Zukunft. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten unterzeichnete er im Mai 1933 die Erklärung Kirchenmusik im dritten Reich. Er schrieb er auch für die Propaganda-Illustrierte Das Reich. Die Reichsmusikkammer führte ihn 1938 als „jüdischen Mischling zweiten Grades“, doch wurde er vom Reichspropagandaministerium protegiert und erhielt vom Reichsleiter Otto Dietrich eine Zulassung als Schriftleiter. Gleichwohl versuchte der antisemitische Musikforscher und Hauptstellenleiter im Amt Rosenberg, Herbert Gerigk, ihn zu denunzieren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hamel 1945/46 als Lehrer für Musikgeschichte an der Landeskirchlichen Musikschule Hannover tätig und war im Jahr 1947 Leiter der Hauptabteilung Musik beim Nordwestdeutschen Rundfunk. Er wurde 1947 Herausgeber der Zeitschrift Musica: Monatsschrift für alle Gebiete des Musiklebens. Ab 1948 verantwortete er zunächst die gesamte Schallplattenproduktion der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Später konzentrierte er sich zunehmend auf die Sparte Archiv Produktion, der er sich ab 1952 ausschließlich widmete. Er wohnte seitdem in Hannover.
Schriften (Auswahl)
- Die Psalmkompositionen Johann Rosenmüllers. Straßburg 1933, Gießen, Phil. Diss., 1930
- Fred Hamel, Martin Hürlimann (Hrsg.): Das Atlantisbuch der Musik. Berlin, Zürich : Atlantis, 1934 (Hamel wird in der 9. Auflage von 1959 letztmalig als Mitherausgeber genannt)
- Johann Sebastian Bach. Göttingen : Deuerlich, 1951
- Vom wahren Wesen der Musik. Kassel : Bärenreiter, 1957
Literatur
- Hamel, Fred, in: Hedwig und Erich H. Mueller von Asow: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. de Gruyter, Berlin 1954, Spalte 430 f
- Hamel, Fred, in: Wilibald Gurlitt (Hrsg.): Riemann Musik-Lexikon. 12., völlig neubearbeitete Auflage. Personenteil. B. Schott‘s Söhne, Mainz 1959/1961, S. 725 f
- Erik Werba: Fred Hamel zum Gedenken, in: Österreichische Musikzeitschrift, 1958, Band 13 Heft 2, S. 76 PDF
- Hamel, Fred, in: Fred K. Prieberg: Handbuch deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Ausgabe, 2. Edition 2009. ISBN 978-3-00-037705-1. S. 2806–2810
- Hamel, Fred, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 213
Weblinks
- Literatur von und über Fred Hamel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Edwin Hein: 65 Jahre Deutsche Grammophon Gesellschaft: 1898 – 1963. Hannover 1963, S. 33