Abolhassan Banisadr

Abolhassan Banisadr (persisch ابوالحسن بنی صدر, DMG Abū l-Ḥasan Banī-Ṣadr; auch Abol Hassan Bani Sadr geschrieben; geb. 22. März 1933 in Baghtsche, Provinz Hamadan; gest. 9. Oktober 2021 in Paris) war ein iranischer Ökonom und Politiker. Er gehörte zu den Vordenkern der Islamischen Revolution und war vom 25. Januar 1980 bis zum 21. Juni 1981 der erste gewählte Präsident des Iran.

Banisadr gehörte in seiner Jugendzeit zum muslimischen Flügel der iranischen Volksbewegung, die von Mohammad Mossadegh angeführt wurde, war ein Gegner der Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi und nahm an den Protesten im Juni 1963 teil. Anschließend setzte er seine Studien in Frankreich fort, wo er zu einem führenden Intellektuellen der iranischen Exilopposition wurde. Dort bereitete er mit dem Ajatollah Chomeini die Islamische Revolution vor, nach deren Erfolg im Jahr 1979 er Regierungsmitglied und schließlich Präsident wurde. Banisadr strebte ein „reformkapitalistisches, pluralistisches Gesellschaftsmodell mit stark egalitären Zügen an, das er mittels religiöser Aufklärung zu erreichen hoffte.“ Während seiner Präsidentschaft ging die faktische Macht allerdings an die Parlamentsmehrheit der klerikal dominierten Islamisch-Republikanischen Partei (IRP) über, die ab dem die Parlamentsmehrmeit Mohammad Ali Radschai zum Premierminister ernannte und Banisadr kein Mitspracherecht bei der Ernennung des Kabinetts gewährte. Nach seiner Absetzung durch das Parlament und den Obersten Führer Chomeini im Juni 1981 floh Banisadr erneut nach Frankreich. Dort gründete er zusammen mit den Volksmudschahedin und Massoud Rajavi in Paris den Nationalen Widerstandsrat Iran, dessen Präsident er bis 1983 war. Die Amtsenthebung Banisadrs schloss in der Geschichte Irans die Periode des Übergangs von der Pahlavi-Dynastie zur Islamischen Republik ab, in der die Macht der schiitischen Geistlichen bereits dominierend, aber noch nicht absolut war.

  1. Ebert/Fürtig/Müller: Die Islamische Republik Iran. 1987, S. 347.
  2. Ebert/Fürtig/Müller: Die Islamische Republik Iran. 1987, S. 176f.