Amir Chusrau

Amīr Chusrau Dihlavī (persisch امیر خسرو دهلوی, DMG Amīr Ḫusrau Dihlavī, geboren 1253 in Patiyali im heutigen Distrikt Kasganj; gestorben 1325 in Delhi) gilt als der berühmteste persischsprachige Dichter der indischen Sultanatszeit. Von 1290 bis zu seinem Tod diente er insgesamt sechs Herrschern als Hofdichter. Um seine indische Heimat zu betonen, nannte er sich Ṭūṭī-yi Hind, „Papagei aus Indien“.

Amīr Chusrau führte bedeutende literarische Neuerungen ein und hinterließ rund zwanzig Werke. Besonders bemerkenswert ist seine Erfindung des historischen Masnawī, in dem er Themen aus dem politischen und privaten Lebensbereich der ihm bekannten Sultane von Delhi in Versform präsentierte. Neben fünf historischen Masnawīs hat er insgesamt fünf Diwane komponiert und als erster nach dem Vorbild Nizāmīs eine eigene Chamsa verfasst. Amīr Chusrau wurde nicht nur in Indien, sondern auch in allen anderen Gebieten der persophonen Welt gelesen. Daneben hat er auch in der Lokalsprache Hindavi gedichtet, und einiges davon hat sich wahrscheinlich in noch heute gesungenen Volksliedern und den Qawwālī-Gesängen erhalten. Amīr Chusrau konnte mehrere Instrumente spielen und besaß fundierte Kenntnisse in der Musiktheorie. Häufig wird ihm die Erfindung von Musikinstrumenten und speziellen Melodien zugeschrieben; hierüber gibt es aber keine sicheren Kenntnisse.

Amīr Chusrau war auch eine wichtige Bezugsfigur der Tschischtī-Sufis. Er war der Lieblingsschüler des Sufi-Meisters Nizām ad-Dīn Auliyāʾ, dessen Lob er in vielen seiner Werke neben das seiner königlichen Mäzene stellte. Er starb wenige Monate nach dem Tod Nizām ad-Dīns und wurde in der Nähe des Heiligen begraben. Sein Grab ist seit Jahrhunderten ein bedeutender Wallfahrtsort.