Sexuelle Appetenzstörung
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| HA00 | Dysfunktion verminderten sexuellen Verlangens |
| HA00.0 | Dysfunktion verminderten sexuellen Verlangens, lebenslang, generalisiert |
| HA00.1 | Dysfunktion verminderten sexuellen Verlangens, lebenslang, situativ |
| HA00.2 | Dysfunktion verminderten sexuellen Verlangens, erworben, generalisiert |
| HA00.3 | Dysfunktion verminderten sexuellen Verlangens, erworben, situativ |
| HA00.Z | Dysfunktion verminderten sexuellen Verlangens, nicht näher bezeichnet |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Der Begriff sexuelle Appetenzstörung (zu „Appetenz“ von lateinisch appetentia ‚Begehren‘), auch Lustlosigkeit, Unlust, Anaphrodisie (aus gr. an-, verneinende Vorsilbe, und -aphrodisie, nach der Liebesgöttin Aphrodite), früher auch Alibidinie oder Alibido, lateinisch Impotentia concupiscentiae, bezeichnet im Allgemeinen den unwillentlichen Mangel (Libidomangel) oder die unwillentliche Abnahme (Libidoreduktion) an sexueller Phantasie und sexuellem Verlangen.
Fehlendes oder geringes sexuelles Interesse ist als solches zwar nicht pathologisch, es kann aber dennoch, z. B. aufgrund einer Diskrepanz zwischen dem sexuellen Verlangen des Partners und dem eigenen, zu Problemen führen. Im Unterschied zur Asexualität identifizieren sich die betroffenen Personen nicht selbstbestimmt mit ihrer sexuellen Lustlosigkeit, sondern stehen oft unter Leidensdruck.
Sexuelle Appetenzstörungen gehören zu den sexuellen Funktionsstörungen. Der Zustand ist das Grundproblem und besteht nicht aufgrund (enger zeitlicher Zusammenhang) zugleich bestehender körperlicher Krankheiten (organische Störungen), psychischer Störungen, der Auswirkungen starker Stressoren (wie beispielsweise schwere Beziehungsprobleme) oder der Wirkung von Substanzen (wie beispielsweise Drogen oder Medikamente). Bei der Entwicklung sexueller Funktionsstörungen tragen – wie bei den sexuellen Reaktionen selbst – sowohl psychische als auch somatische Prozesse bei.
Sexuelle Funktionsstörungen aufgrund von Erkrankungen (DSM-IV 607-25), die neben psychischen Ursachen für eine erektile Dysfunktion verantwortlich sein können, oder auch genitale Schmerzsyndrome wie Vaginismus oder Dyspareunie zählen nicht zu den sexuellen Appetenzstörungen.
Das Gegenteil wird unter Hypersexualität beschrieben.
- ↑ Moniek M. ter Kuile, Stephanie Both, Jacques J.D.M. van Lankveld: Cognitive Behavioral Therapy for Sexual Dysfunctions in Women. In: The Psychiatric clinics of North America, Band 33, Ausgabe 3, September 2010, S. 596. Volltext als PDF.
- ↑ Hans-Bernd Rothenhäusler, Karl-Ludwig Täschner: Kompendium Praktische Psychiatrie: und Psychotherapie. Springer-Verlag, 2012, ISBN 978-3-7091-1237-3, S. 385 f. (google.com).