Britische Monarchie
| König des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland | |
|---|---|
| King of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland | |
| Wappen des Vereinigten Königreichs | |
| Amtierend Charles III. seit dem 8. September 2022 | |
| Anrede | Your Majesty |
| Amtssitz | Verwaltungssitz: St James’s Palace (London) offizielle Residenzen: Buckingham Palace (London), Holyrood Palace (Edinburgh) und Hillsborough Castle (Hillsborough) |
| Amtszeit | Auf Lebenszeit |
| Kronprinz | William, Prince of Wales |
| Krönung durch | Erzbischof von Canterbury (zuletzt am 6. Mai 2023) |
| Schaffung des Amtes | 24. März 1603 (Personalunion) 1. Mai 1707 (Realunion) |
| Erster Amtsinhaber | Jakob VI. und I. (Personalunion) Anne (Realunion) |
| Website | www.royal.uk |
Die britische Monarchie ist die parlamentarische Monarchie des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Monarch ist seit dem 8. September 2022 König Charles III. Er und seine engeren Familienangehörigen nehmen verschiedene offizielle, zeremonielle und repräsentative Funktionen wahr. Der König besitzt zwar theoretisch die Befugnisse eines konstitutionellen Monarchen, übt seine Hoheitsrechte aber aufgrund eines jahrhundertealten Gewohnheitsrechts nicht mehr selbstständig aus, sondern ausschließlich gemäß den Vorgaben von Parlament und Regierung. Aus diesem Grund ist er de facto ein parlamentarischer Monarch. Auch die Existenz der Kronbesitzungen Isle of Man und Kanalinseln ändert nichts an diesem Status, weil diese rechtlich kein Teil des Vereinigten Königreichs sind. Der britische Monarch ist zugleich Staatsoberhaupt der Commonwealth Realms und Oberster Gouverneur der Kirche von England.
Um das Jahr 1000 hatten sich die Königreiche England und Schottland aus mehreren kleinen frühmittelalterlichen Königreichen entwickelt. Die Herrschaft der Angelsachsen in dem nach ihnen benannten England endete 1066 während der normannischen Eroberung Englands. Der Normanne Wilhelm I., „der Eroberer“, errang sich den Thron auf dem Schlachtfeld bei Hastings. Diese „Heldentat“ wird offiziell als Grundstein der bis heute währenden Königsherrschaft in England angesehen. Die Thronfolge in England und Großbritannien erfolgte seither zwar immer im Kreis der Nachfahren des Eroberers, aber keineswegs stets geradlinig und auf legitime Weise. Bereits im Jahr 1100 kam es unter den Söhnen des Eroberers zur Usurpation der Krone durch den Jüngsten. Mit seinem Tod erlosch das Haus Normandie, dem das Haus Plantagenet folgte, das den Thron aber erst in einem Erbfolgekrieg („The Anarchy“) gegen das konkurrierende Haus Blois verteidigen musste. Im 13. Jahrhundert absorbierte England das Fürstentum Wales und mit der Magna Carta begann 1215 der Prozess der schrittweisen Entmachtung des Monarchen. Die letzten Plantagenets spalteten sich in zwei konkurrierende Linien auf, das Haus York (weiße Rose im Wappen) und das Haus Lancaster (rote Rose), die sich in den Rosenkriegen (1455–1485) bekämpften. Der letzte Plantagenet-König aus der York-Linie, Richard III., hatte den Thron 1483 usurpiert, indem er seine beiden Neffen, die Prinzen im Tower, zunächst für illegitim erklären und später umbringen ließ. 1485 fiel er auf dem Schlachtfeld und der militärische Anführer der Lancaster-Partei, der Ritter Heinrich Tudor, ließ sich vom Parlament als Heinrich VII. zum König proklamieren und heiratete eine Schwester der Tower-Prinzen. Den letzten Plantagenet, Edward, ließ er enthaupten.
Nach dem Tod der letzten englischen Königin aus dem Haus Tudor, Elisabeth I., im Jahre 1603 folgte der schottische König Jakob I. aus dem Haus Stuart auf den englischen Thron, weil eine seiner Urgroßmütter eine Schwester von Elisabeths Vater, dem berühmten Tudor-König Heinrich VIII., gewesen war. Damit entstand eine Personalunion beider Kronen. Die Stuarts waren ihrerseits 1371 durch Einheirat in den regierenden Clan Bruce auf den schottischen Thron gekommen, den zuvor Robert Bruce als einer von 14 Thronanwärtern in einem Unabhängigkeitskampf gegen England an sich gerissen hatte. Von 1649 bis 1660 gab es mit dem Commonwealth of England eine kurze republikanische Phase unter dem puritanischen Revolutionär Oliver Cromwell. 1707 schlossen sich England und Schottland mit dem Act of Union zum Königreich Großbritannien zusammen.
Die letzten männlichen Nachfahren des Hauses Stuart wurden, weil katholisch geworden, 1701 durch den Act of Settlement von der Thronfolge ausgeschlossen, sodass 1714 das protestantische Haus Hannover auf den britischen Thron folgen konnte, das − ähnlich wie die Tudors und Stuarts − nur entfernt verwandt war mit seinen Vorgängern. Katholiken oder mit Katholiken verheiratete Personen waren seither von der Thronfolge ausgeschlossen.
Durch den Zusammenschluss mit dem Königreich Irland entstand 1801 das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland. Der britische Monarch war auch nominelles Oberhaupt des Britischen Weltreichs, das zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung ein Viertel der Landfläche der Erde umfasste. 1876 wurde die letzte „Hannoveranerin“ auf dem britischen Thron, Queen Victoria, zur Kaiserin von Indien ausgerufen. Mit ihrem Sohn Eduard VII. kam ein Zweig des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha auf den britischen Thron, das mit anderen Zweigen damals auch im Königreich Portugal sowie im Königreich Bulgarien und − bis heute − im Königreich Belgien regierte. Im Ersten Weltkrieg sah sich sein Sohn, König Georg V., durch innenpolitischen Druck aufgrund wachsender antideutscher Stimmung veranlasst, 1917 den Dynastienamen in Haus Windsor umzubenennen und auf alle deutschen Titel und Würden zu verzichten. Windsor Castle war von Wilhelm dem Eroberer 1078 gegründet und danach, neben dem Palace of Westminster, über Jahrhunderte zur zweitwichtigsten englischen Königsresidenz geworden.
1922 spaltete sich der Irische Freistaat ab, in welchem der britische Monarch noch bis 1949 Staatsoberhaupt blieb. Seit dem Ende des Britischen Weltreichs nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Monarchen stets zu zeremoniellen „Oberhäuptern“ des Commonwealth of Nations gewählt, einer losen Verbindung des Vereinigten Königreichs und der ehemaligen Kolonien. 14 weitere unabhängige Staaten, die so genannten Commonwealth Realms, teilen sich weiterhin in Personalunion dasselbe Staatsoberhaupt mit dem Vereinigten Königreich. Jeder dieser Staaten bildet aber ein rechtlich eigenständiges Königreich und entscheidet selbst über seine Staatsform.
Mit Charles III. kam 2022 ein König auf den Thron, der väterlicherseits dem griechischen Zweig des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des dänischen Königshauses entstammt, das seinerseits auf das deutsche Haus Oldenburg zurückgeht. Charles’ Vater Prinz Philip hatte bei seiner Einbürgerung in Großbritannien, noch vor seiner Heirat, seine griechischen und dänischen Titel abgelegt und den Namen seiner Mutter, die aus dem Haus Battenberg stammte, in anglisierter Form als Mountbatten angenommen. Um die deutsche Abstammung nicht allzu sehr zu betonen, lautet der Dynastiename auch unter Charles III. weiterhin House of Windsor, wobei die Abkömmlinge den Familiennamen Mountbatten-Windsor führen.