Chrom(VI)-Verbindungen

Chrom(VI)-Verbindungen sind chemische Verbindungen, die das Element Chrom in seiner höchsten Oxidationsstufe +6 enthalten. Überwiegend handelt es sich dabei um Verbindungen mit Sauerstoff, aber auch solche mit Halogenen oder Stickstoff sind bekannt, wenn auch nicht in binärer Form. Chromerze werden im Wesentlichen über Verbindungen des sechswertigen Chroms, Chrom(VI), verarbeitet. Das Chrom(VI)-Salz Natriumdichromat wird in einem dreistufigen Prozess aus Chromerz hergestellt und ist das Ausgangsprodukt für die Herstellung aller Chromverbindungen und von metallischem Chrom. Die weltweite jährliche Kapazität für Natriumdichromat wurde 1985 auf 840.000 Tonnen geschätzt.

Weitere sechswertige Chromverbindungen sind unter anderem Chromtrioxid und verschiedene Salze von Chromat und Dichromat. Sechswertiges Chrom wird in Textilfarbstoffen, Pigmenten, bei der Holzkonservierung, in Korrosionsschutzmitteln, beim Chromatieren und einer Vielzahl von anderen Anwendungen verwendet. Chromsäure bzw. Chromelektrolyte werden auf Metallteile elektroplattiert, um eine dekorative oder schützende Beschichtung zu erzeugen. Sechswertiges Chrom kann bei hohen Temperaturen wie dem Schweißen von Edelstahl oder dem Schmelzen von Chrommetall durch Oxidation entstehen.

Alle sechswertigen Chromverbindungen sind aufgrund ihrer Oxidationskraft toxisch sowie krebserregend (IARC-Gruppe 1). Insbesondere die Inhalation führt zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko. Auch ein Zusammenhang zwischen der Exposition mit Chrom(VI)-Verbindungen und Krebs der Nase und der Nasennebenhöhlen wurde beobachtet. Expositionen können bei Arbeitern auftreten, die mit chromathaltigen Produkten umgehen und Edelstahl schleifen und/oder schweißen. Arbeiter, die sechswertigem Chrom ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs, Asthma oder Schäden an dem Nasenepithel oder der Haut zu erkranken.

  1. Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Chrom(6+): CAS-Nr.: 18540-29-9, EG-Nr.: 606-053-1, ECHA-InfoCard: 100.132.559, GESTIS: 82830, PubChem: 29131, ChemSpider: 27099, Wikidata: Q26840903.
  1. Nils Wiberg: Hollemann · Wiberg – Lehrbuch der Anorganischen Chemie. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2007 (102. Auflage), ISBN 978-3-11-017770-1, S. 1567–1572.
  2. Gerd Anger, Jost Halstenberg, Klaus Hochgeschwender, Christoph Scherhag, Ulrich Korallus, Herbert Knopf, Peter Schmidt, Manfred Ohlinger: Chromium Compounds. In: Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry. Wiley-VCH, Weinheim 15. Juni 2000, doi:10.1002/14356007.a07_067 (englisch).
  3. 1 2 29 CFR OSHA General Industry 1910
  4. Arsenic, Metals, Fibres, and Dusts – A review of human carcinogens. In: International Agency for Research on Cancer (Hrsg.): IARC Monographs (= IARC monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. 100C). Lyon 2012, ISBN 978-92-832-0135-9 (englisch, iarc.fr): “S.164: There is sufficient evidence in humans for the carcinogenicity of chromium (VI) compounds. Chromium (VI) compounds cause cancer of the lung. Also positive associations have been observed between exposure to Chromium (VI) compounds and cancer of the nose and nasal sinuses. There is sufficient evidence in experimental animals for the carcinogenicity of chromium (VI) compounds. Chromium (VI) compounds are carcinogenic to humans (Group 1).”
  5. IARC Working Group on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans (Hrsg.): Chromium, nickel and welding (= IARC monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. Band 49). IARC, Geneva/Lyon 1990, ISBN 978-92-832-1249-2 (iarc.fr): „There is sufficient evidence in humans for the carcinogenicity of chromium(VI) compounds as encountered in the chromate production, chromate pigment production and chromium plating industries.“