Consultatio veteris cuiusdam iurisconsulti
Die sogenannte Consultatio veteris cuiusdam iurisconsulti (verkürzt: consultatio, abgekürzt: Cons.) ist eine mutmaßlich um 450 n. Chr. im weströmischen Gallien entstandene Schriftensammlung, die sich aus Rechtsgutachten und Bescheiden von Rechtsgelehrten zusammensetzt. Man spricht von der sogenannten Juristenliteratur. Über den Verfasser des Werks ist nichts bekannt.
Die Zusammenstellung wird gemeinhin dem nachklassischen Recht zugerechnet. Gesellschaftspolitische Bedeutung kommt dem Werk insoweit zu, als der Versuch unternommen wurde, mit den allgemeinen Entwicklungen in der Spätantike Schritt zu halten. Die Möglichkeit des Nachvollzugs der einzelnen Schritte gibt einen ordentlichen Einblick in das Gesellschaftsumfeld. Das rechtliche Gedankengut, das Kaiser Diokletian einsammelte, wurde mit der Consultatio in die posttheodosianische Rechtswirklichkeit transformiert. Der Name der Sammlung geht auf den Humanisten Jacques Cujas zurück, einem bis heute geachteten neuzeitlichen Experten für römisches Recht. Auf seine Ausgabe griff noch die spätere Forschung zurück.
- ↑ Vgl. für altertumswissenschaftliche Abkürzungen etwa Sebastian Schmidt-Hofner, Hans-Ulrich Wiemer: Die Politik der Form: Das Edictum Theoderici, das Prätorische Edikt und die Semantiken königlicher Rechtsetzung im postimperialen Westen. Band 52, 2022, hrsg. von Christof Schuler, Rudolf Haensch und Simone Killen, Berlin, Boston. De Gruyter, 2023. S. 335.
- ↑ Gesichert ist, dass Gallien mit Narbonne (Colonia Narbo Martius) und Lyon (Lugdunum) zwei juristische Kulturzentren besaß; vgl. zu Narbonne: Sidonius Apollinaris, Leo und Marcellinus in Carmina 23, Einleitung, Text und Kommentar von Norbert Delhey. Berlin 1993 (Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte 40), S. 446 ff. und 465 ff; zu Lyon: Sidonius Apollinaris, Philomathius in Epistulae 1, 3 und 5, 17, 2 und 7.
- ↑ Eine andere Auffassung vertritt Franz Wieacker, der in einem Otto Lenel gewidmeten Aufsatz auf Rom verweist.
- ↑ Detlef Liebs: Die Jurisprudenz im spätantiken Italien (260–640 n.Chr.) (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge, Band 8). Duncker & Humblot, Berlin 1987, S. 175 f.
- ↑ Martin Schanz, Carl Hosius: Geschichte der römischen Literatur. Vierter Teil, 2. Band: Die Literatur des fünften und sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck, München 1920, ISBN 3-406-01398-8, S. 175.
- ↑ So etwa die Forschung von Otto Karlowa: Römische Rechtsgeschichte. Band 1: Staatsrecht und Rechtsquellen. Leipzig 1885. Als Reprint: Keip, Goldbach 1997, ISBN 978-3-8051-0677-1. S. 973.