Der falsche Inder
Der falsche Inder (2008) ist der Debütroman von Abbas Khider. Thematisiert wird in einem raffinierten Wechselspiel von Enthüllen und Verbergen unter anderem, wer wessen Geschichte erzählen und veröffentlichen darf und wie direkt die eigene Geschichte erzählbar ist.
Der falsche Inder sei gleichzeitig Roman, Märchen, Erzählung aus 1001 Nacht, Kurzgeschichte und Autobiografie, meinte Jörg Plath in seiner Besprechung für Deutschlandradio Kultur. Die Titelfigur kommt aus dem Irak, was aber, seit „der falsche Inder“ nach vier Jahren der Odyssee als Geflüchteter in Deutschland lebt, eine andere Bedeutung bekommen hat: Hier weiß er nicht mehr ob er Zigeuner, Iraker, Inder oder gar ein Außerirdischer ist und glaubt eher seiner bayerischen Geliebten, der zufolge er von vielen Sonnen der Erde gebrannt und gesalzen sei, ein „moderner Simplicissimus“. Khider wurde in der Folge mit verschiedenen Stipendien, Auszeichnungen und Einladungen gefördert und sein tragikomischer, oft sogar burlesker Roman als wirklichkeitsnahes, modernes Flüchtlingsmärchen ausgezeichnet. Die oft auf den Exotismus des Plots abhebende Rezeption wird von Abbas Khider selbst als zu einseitig kommentiert.
- 1 2 Hubert Spiegel: ‹Wenn ich auf Arabisch schreibe, handelt alles von Leid. Das Deutsche hält mich auf Distanz.› Abbas Khider wird für seinen Debütroman ausgezeichnet. In: Chamisso (2010, 4), S. 10–13.
- 1 2 Jörg Plath: Zwischen Bagdad und Exil. In: deutschlandradiokultur.de, 2. Februar 2009.
- ↑ Abbas Khider: Grenzübertritte: Der falsche Inder. ( vom 27. September 2015 im Internet Archive) wdr3.de, 25. April 2015.
- ↑ Abbas Khider - Der falsche Inder - bei Edition Nautilus. In: www.edition-nautilus.de. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 29. September 2015; abgerufen am 26. September 2015.
- ↑ Lena Bopp: Wie soll ich euch von meiner Flucht erzählen? Vom Verlust der Heimat und dem Finden der Sprache: Das Stuttgarter Literaturhaus führt ‹Flüchtlingsgespräche›. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Februar 2015, Nr. 27, S. 11.