Überfall auf Polen

Überfall auf Polen 1939
Teil von: Zweiter Weltkrieg

Das Kadettenschulschiff Schleswig-Holstein beim Beschuss der Westerplatte im Hafen von Danzig zu Beginn des Zweiten Weltkrieges
Datum 1. September bis 6. Oktober 1939
Ort Polen und die Freie Stadt Danzig
Ausgang Sieg der deutschen Truppen
Friedensschluss keiner, am 6. Okt. 1939 letztes Gefecht mit regulären Truppen
Folgen Besetzung und Zerschlagung des polnischen Staates, Teilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion (Angriff ab dem 17. September), Auflösung der Freien Stadt Danzig und Aufgehen ihres Gebiets im Deutschen Reich
Konfliktparteien

Deutsches Reich NS Deutsches Reich
und SS-Heimwehr Danzig
Slowakei 1939 Slowakei

Polen 1928 Polen

Befehlshaber

Deutsches Reich NS Walther von Brauchitsch
(Oberbefehlshaber des Heeres)
Deutsches Reich NS Fedor von Bock
(Heeresgruppe Nord)
Deutsches Reich NS Gerd von Rundstedt
(Heeresgruppe Süd)
Slowakei 1939 Ferdinand Čatloš
(Oberbefehlshaber des slowakischen Heeres)

Polen 1928 Edward Rydz-Śmigły
(Oberbefehlshaber)

Truppenstärke

61 deutsche Divisionen
6 deutsche Brigaden,
3 slowakische Divisionen
10.000 Geschütze
3600 gepanzerte Fahrzeuge
1929 Flugzeuge

Gesamtstärke:
1.600.000 Deutsche,
50.000 Slowaken

37 Divisionen,
12 Brigaden

4300 Geschütze
750 gepanzerte Fahrzeuge
900 Flugzeuge

Gesamtstärke:
1.000.000 Mann

Verluste

Wehrmacht:
15.450 Tote (nur Heer),
30.000 Verwundete,
3404 Vermisste,
300 gepanzerte Fahrzeuge,
560 Flugzeuge
Slowakei:
37 Tote,
18 Vermisste,
114 Verwundete

Polnische Streitkräfte:
66.300 Tote,
133.700 Verwundete,
694.000 Gefangene,
330 Flugzeuge

Einige Tausend ermordete Volksdeutsche;
16.376 ermordete polnische Zivilisten (Sept./Okt. 1939)

Als Überfall auf Polen wird der völkerrechtswidrige Angriffskrieg des nationalsozialistischen Deutschland ab dem 1. September 1939 auf die Zweite Polnische Republik bezeichnet, mit dem der Zweite Weltkrieg in Europa begann. Nach mehrmonatigen diplomatischen Spannungen befahl Adolf Hitler der Wehrmacht den lange geplanten Polenfeldzug, der von Truppen des Slowakischen Staats unterstützt wurde (siehe slowakische Invasion Polens). Als Vorwand wurde der Überfall auf den Sender Gleiwitz vorgetäuscht. Hitler hoffte gegen Polen einen begrenzten Krieg führen zu können, riskierte aber, dass Frankreich und das Vereinigte Königreich aufgrund ihrer Beistandsverpflichtungen in den Krieg eintreten würden.

Am 3. September 1939 erklärten Frankreich und das Vereinigte Königreich den Krieg gegen Deutschland (ebenso die Dominions Australien und Neuseeland sowie Britisch-Indien, bald darauf auch Südafrika und Kanada). Ihre begrenzten militärischen Maßnahmen wie die Saar-Offensive waren jedoch nicht zur Entlastung geeignet. Unterstützt von der Luftwaffe rückten zwei deutsche Heeresgruppen von Norden und Süden auf Polens Territorium vor. Deutsche Truppen erreichten am 8. September die Hauptstadt, die nach der Schlacht um Warschau am 28. September 1939 kapitulierte.

Gemäß dem geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom August 1939 besetzte die Rote Armee am 17. September Ostpolen. Die polnische Regierung floh am 17./18. September 1939 in das neutrale Rumänien, wo sie interniert wurde. Die am 30. September gebildete Polnische Exilregierung versuchte, mit geflohenen Truppenteilen Widerstand gegen die Besatzer zu organisieren. Die letzten in Polen verbliebenen Verbände der polnischen Streitkräfte ergaben sich am 6. Oktober 1939; die meisten polnischen Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft.

Im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 teilten Deutschland und die Sowjetunion Polen unter sich auf (Vierte Teilung Polens). West- und Zentralpolen mit Ausnahme der Woiwodschaft Białystok sowie die westlichen Teile Südpolens fielen an Deutschland, die ostpolnischen Gebiete an die Sowjetunion. Mit einem Erlass vom 8. Oktober 1939 trennte Hitler einen Teil der deutsch besetzten Gebiete, darunter auch rein polnische, als „eingegliederte Ostgebiete“ (Wartheland und Danzig-Westpreußen) vom sogenannten polnischen Reststaat ab. Er erweiterte die Provinz Schlesien in südlicher Richtung um überwiegend polnisch besiedelte Gebiete. Die Freie Stadt Danzig war bereits am 1. September (wieder) zum Bestandteil des Deutschen Reichs erklärt worden. In den übrigen deutsch besetzten Gebieten wurde vier Tage später das Generalgouvernement als Zone der „Abkapselung“ und rechtsfreien Ausbeutung geschaffen. Während in den eingegliederten Ostgebieten mit einem Prozess der „Neuordnung“ und Eindeutschung begonnen wurde, war das Generalgouvernement zur rücksichtslosen Ausbeutung von Polen und Juden in Polen vorgesehen und wurde Objekt „völkischer Ausrottungsmaßnahmen“. Schon während der Kampfhandlungen und der deutschen Besetzung Polens 1939–1945 verübten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD und Angehörige der Wehrmacht teils planmäßig, teils spontan Massenmorde an der polnischen Intelligenzija und dem Kleinadel (Szlachta), an Priestern, Gewerkschaftern und Juden. Dieser „Auftakt zum Vernichtungskrieg“ diente auch der Vorbereitung des Deutsch-Sowjetischen Krieges und des Holocaust.

Der Begriff „Überfall auf Polen“ bezeichnet eigentlich nur den Kriegsbeginn. Der gesamte Kriegsverlauf, auch mitsamt der sowjetischen Invasion, wird gemeinhin als Polenfeldzug oder Invasion Polens bezeichnet. In Polen nennt man ihn Septemberfeldzug (Kampania wrześniowa) oder Verteidigungskrieg von 1939 (Wojna obronna 1939 roku). Die englische Bezeichnung ist Invasion of Poland, die französische Campagne de Pologne (1939), die niederländische Poolse Veldtocht, die dänische Felttoget i Polen i 1939.

  1. Rüdiger Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg. 3. Auflage, Oldenbourg, München 2004, ISBN 3-486-20028-3, S. 53 f.
  2. 1 2 Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg, 1939–1945. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch der deutschen Geschichte, Band 21, 10., völlig neu bearbeitete Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-60021-3, S. 69.
  3. 1 2 MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1979, Band 2, S. 133.
  4. Mark W. A. Axworthy: Axis Slovakia: Hitler’s Slavic Wedge, 1938–1945. Axis Europa Books, Bayside, NY 2002, ISBN 1-891227-41-6, S. 81.