Dong’ou
Das Königreich Dong’ou (chinesisch 東甌 / 东瓯, Pinyin Dōng’ōu – „Ost-Ou“), auch bekannt als Königreich Donghai (東海 / 东海, Dōng Hǎi – „Östliches Meer“), war ein Königreich der Yue zur Zeit der frühen Han-Dynastie, das von 191 v. Chr. bis 138 v. Chr. als Satellitenstaat des chinesischen Kaiserreichs existierte.
Der Staat erstreckte sich über den Süden der heutigen chinesischen Provinz Zhejiang. Durch seine Lage entlang der Küste des Ostchinesischen Meeres war er maritim geprägt. Die namensgebende Hauptstadt Dong’ou lag entweder im Gebiet des modernen Wenzhou am Fluss Ou oder in Daxi bei Taizhou.
Wie auch das südlich angrenzende, deutlich größere Min-Yue sah sich das Königreich Dong’ou als Nachfolgestaat des alten Yue, weshalb es auch als Ou-Yue (甌越 / 瓯越, Ōuyuè) und Yue des östlichen Meeres bekannt war. Dong’ou und Min-Yue waren politisch wie kulturell eng verbunden und wurden gemeinsam als Ost-Yue (東越 / 东越, Dōngyuè) bezeichnet.
Neben dem östlichen Ou-Yue (Dōng’ōuyuè) existierte auch – vermutlich ohne näheren Bezug – die Stammesgruppe der westlichen Ou-Yue im heutigen Guangxi und nördlichen Vietnam.
- ↑ Traditionell wird Wenzhou mit der Hauptstadt Dong’ou gleichgesetzt. Neuere Forschungen bringen hingegen die archäologische Fundstätte Daxi in Wenling, bezirksfreie Stadt Taizhou, mit Dong’ou in Verbindung. Vgl. etwa Erica Fox Brindley: Ancient China and the Yue: Perceptions and Identities on the Southern Frontier, c. 400 BCE–50 CE. Cambridge University Press, Cambridge 2015, S. 109.