Eltern-Kind-Entfremdung
Eltern-Kind-Entfremdung, auch elterliches Entfremdungssyndrom (engl. parental alienation syndrome (PAS)), beschreibt ein von Richard A. Gardner 1985 formuliertes - allgemein nicht wissenschaftlich anerkanntes - Konzept, bei dem ein Kind dauerhaft und zu Unrecht einen Elternteil herabsetzt und beleidigt, meist in der Folge einer Scheidung und/oder eines Streits um das Sorge- oder Umgangsrecht. Eine Reihe von Faktoren sei für dieses Verhalten verantwortlich, so Gardner, unter anderem die Indoktrinierung seitens des betreuenden, bindungsblockierenden Elternteils und der Wunsch des Kindes, den getrennt lebenden Elternteil abzuwerten. Dagegen wird die Ablehnung eines Elternteils durch das Kind, die rechtfertigbar infolge eines Kindesmissbrauchs oder einer tatsächlichen Vernachlässigung entstanden ist, nicht als Eltern-Kind-Entfremdung bezeichnet.
Gardners Theorie und diesbezügliche Forschung wurden intensiv diskutiert, und das PAS wurde fachwissenschaftlich mehrheitlich als Störung nicht anerkannt. Eine Fachjury sowie das Court of Appeal (England und Wales) stellten das Syndrom unter Beweisverbot. Das kanadische Justizministerium sprach sich gegen die Verwendung des PAS als Beweismittel aus, allerdings diente das Syndrom in einigen Familienrechtstreitigkeiten in den Vereinigten Staaten als Entscheidungsgrundlage. In Deutschland stellte das Bundesverfassungsgericht 2023 fest, dass es sich bei dem sogenannten PAS um ein überkommenes und fachwissenschaftlich als widerlegt geltendes Konzept handelt, welches keine hinreichend tragfähige Grundlage für eine am Kindeswohl orientierte Entscheidung bilden kann.
Der Begriff Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation) hat sich teilweise als Begriff eingebürgert für damit verwandte bzw. gleichbedeutende Problematiken wie z. B. „Kind betroffen von elterlichen Beziehungsproblemen (Child affected by parental relationship distress)“ bzw. „Psychologische Kindesmisshandlung (Child psychological abuse)“ oder "Caregiver child relation problem", die alle als Diagnose im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association oder als Störung in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO enthalten sind und verschiedentlich von Fachleuten dem Begriff PAS zugeordnet werden.
Das PAS ist nicht eigenständig im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association oder in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO als Störung erfasst. Anders lautende Behauptungen, Parental Alienation sei in die ICD-11 aufgenommen worden, müssen als nicht zutreffend angesehen werden. In der aktualisierten Version der ICD-11 wurde der Suchbegriff 'Parental Alienation', der keine Diagnose war, inzwischen entfernt. Der Eintrag in der ICD-11 unter QE52.1, loss of love relationship in childhood, stellt keine Beschreibung von PA(S) dar, sondern lediglich eine Beeinträchtigung des Kindes aufgrund eines Verlustes einer engen emotionalen Beziehung such as of a parent, a sibling, a very special friend or a loved pet.
Befürworter des PAS-Konzeptes betonen demgegenüber, dass von dessen Kritikern „alle möglichen Entfremdungstatbestände, die mit PAS wenig zu tun haben, fälschlicherweise als PAS bezeichnet und entsprechend abgelehnt“ worden seien.
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