Ertragsgesetz
Das Ertragsgesetz (auch Gesetz des sinkenden Grenzertrags oder Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs) ist ein ökonomisches Modell, welches das Verhältnis von Aufwand/Einsatz und Ertrag beschreibt, wenn ein Produktionsfaktor verändert wird und alle anderen gleich bleiben (partielle Faktorvariation). Bei Gültigkeit des Ertragsgesetzes nimmt der Gesamtertrag bei Erhöhung eines Produktionsfaktors zunächst überproportional und danach unterproportional zu; schließlich kann er sogar zurückgehen.
Es wurde ursprünglich von Anne Robert Jacques Turgot für die Landwirtschaft als Gesetz für den Bodenertrag aufgestellt. Erhöht man danach auf der konstanten Ackerfläche stetig den Arbeitseinsatz, so nimmt der Bodenertrag zunächst schnell zu, dann nur noch langsam, dann bleibt er gleich, und schließlich nimmt er sogar wieder ab. Dieses Gesetz gilt nicht nur in der Agrarproduktion, sondern auch in anderen Bereichen. Trotz seines Namens handelt es sich jedoch nicht um ein Gesetz im Sinne der Naturwissenschaften, sondern eher um eine empirische Gesetzmäßigkeit mit begrenztem Anwendungsbereich.
- ↑ Ertragsgesetz – Definition im Gabler Wirtschaftslexikon
- ↑ Anne Robert Jacques Turgot: Réflexions sur la formation et la distribution des richesses. 1770, S. 46 ff.
- ↑ Philipp an de Meulen et al. (Hrsg.): Volkswirtschaftslehre: Mikroökonomik – Wirtschaftspolitik – Makroökonomik. Springer Gabler, Wiesbaden 2024, ISBN 978-3-658-43403-8, S. 67.
- ↑ Paul Samuelson, William Nordhaus: Volkswirtschaftslehre. Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie. 6. Auflage. FinanzBuch Verlag, 2017, ISBN 978-3-89879-379-7, S. 176: „Das Ertragsgesetz ist eher eine weithin beobachtete empirische Gesetzmäßigkeit als eine universelle Wahrheit, wie wir sie etwa dem Gesetz der Schwerkraft zubilligen.“
- ↑ In der Fachliteratur herrscht kein Konsens darüber, ob ein Bereich fallender Gesamterträge zwingend zum Ertragsgesetz zählt oder nicht. Einige Autoren (z. B. Felderer/Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik, S. 57) erwähnen nur zunächst unterproportional und dann überproportional steigende Gesamterträge, in anderen Lehrbüchern findet man explizit eine 4. Phase des Ertragsgesetzes mit abnehmenden Gesamterträgen (z. B. Bloech et al: Einführung in die Produktion, S. 22).