Gemäldegalerie Düsseldorf
Die Gemäldegalerie Düsseldorf war eine weltberühmte Gemäldesammlung mit Schwerpunkt auf der italienischen, flämischen und niederländischen Malerei der Renaissance und des Barock, bereichert durch niederländisch-deutsche und italienisch-venezianische Werke. Als Galerie Électorale (deutsch ‚Kurfürstliche Galerie‘) wurde unter Bezugnahme auf die Galleria der Uffizien in Florenz zuerst bloß das ab etwa 1705 errichtete dreiflügelige Galeriegebäude auf der Südseite des Düsseldorfer Schlosses bezeichnet, einer der frühesten selbständigen Museumsbauten Europas. Beschrieben in Katalogen von Gerhard Joseph Karsch (1719), François-Louis Colins (1756), Nicolas de Pigage (1778) und Valentine Green (1793), galt die darin auf zwei Etagen ausgestellte Gemälde- und Skulpturensammlung als „eine für damalige Verhältnisse an Umfang und Qualität erlesene Kollektion“ und als „grandioser Bilderschatz“, als „Kunstschatz von europäischem Rang“, als der „deutsche Louvre“. Die Sammlung erfuhr über die Jahre viele Veränderungen. Durch Kriegshandlungen bedroht, wurde sie mehrfach evakuiert. Nach dem Siebenjährigen Krieg veranlasste Galeriedirekter Lambert Krahe eine fortschrittliche Hängung der Bilder, die in dem Galeriewerk La Galerie Électorale de Dusseldorff eindrucksvoll dokumentiert ist. 1805 ließ Kurfürst Maximilian IV. von Pfalz-Bayern den Großteil der transportablen Sammlungsbestände endgültig aus Düsseldorf fortschaffen. Die über 1000 Exponate umfassende Kollektion ist heute in alle Welt zerstreut. Ungefähr 50 Gemälde befinden sich noch oder wieder in Düsseldorf im Museum Kunstpalast. Viele Bilder bildeten einen Grundstock der Münchner Pinakothek. Die am Anfang des 18. Jahrhunderts begonnene Sammlung von Abgüssen antiker Plastiken, die älteste eines Fürsten auf deutschem Boden, bildete die Grundlage des Mannheimer Antikensaals.
Denis Diderot, Aurelio de’ Giorgi Bertola, Jakob Jonas Björnståhl, Georg Forster, Goethe, Johann Caspar Füssli, Montesquieu, Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, Johann Georg Sulzer, Christian Ludwig von Hagedorn, Johann Gottfried Herder, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Thomas Jefferson, Angelika Kauffmann und Clemens Brentano, Paul von Russland sowie die späteren französischen Könige Ludwig XVIII. und Karl X. hatten die Galerie besucht. Thomas Rowlandson beschrieb sie als „eine der besten Gemäldegalerien ganz Europas“. Adel und gehobenem Bürgertum fungierte die Galerie als sozialer Treffpunkt für Geselligkeit und Gespräch.
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- ↑ Thomas W. Gaehtgens, Louis Marchesano: Display and Art History: The Düsseldorf Gallery and Its Catalogue. Getty Publications, Los Angeles 2011, ISBN 978-1-60606-092-6, S. 81 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
- ↑ La Galerie électorale de Dusseldorff (…), Prachtkatalog von Nicolas de Pigage, 1778, Titelaufnahme der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
- ↑ Ekkehard Mai: Die Düsseldorfer Kunstakademie im 19. Jahrhundert – Cornelius, Schadow und die Folgen. In: Gerhard Kurz (Hrsg.): Düsseldorf in der deutschen Geistesgeschichte. Verlag Schwann-Bagel, Düsseldorf 1984, ISBN 3-590-30244-5, S. 197
- ↑ Johann Tobias Köhler: Des Herrn von Blainville ehemaligen Gesandschaftssekretärs der Generalstaaten der vereinigten Niederlande an dem Spanischen Hofe Reisebeschreibung durch Holland, Oberdeutschland und die Schweiz, besonders aber durch Italien. Meyer, Lemgo 1764, S. 66 ff. (Digitalisat)
- ↑ Anton Fahne: Der Düsseldorfer Museumbau. P. Vitter, Düsseldorf 1876, S. 4 ff. (Digitalisat)
- ↑ Als Florenz an den Rhein rückte mit einer ausführlichen Beschreibung der Gemäldegalerie
- ↑ Otto Pöggeler: Untergang und Neuanfang am Rhein. Düsseldorf und die westdeutschen Zentren in der Umbruchszeit um 1800. In: Gerhard Kurz (Hrsg.): Düsseldorf in der deutschen Geistesgeschichte. Verlag Schwann-Bage, Düsseldorf 1984, ISBN 3-590-30244-5, S. 21
- ↑ Jutta Hoffritz: Die letzte Medici. In: Die Zeit, Nr. 46/2008
- ↑ Die Bildenden Künste. ( des vom 25. Januar 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. duesseldorf.de; abgerufen am 20. Oktober 2014
- ↑ Ellen Suchezky: Die Abguss-Sammlungen von Düsseldorf und Göttingen im 18. Jahrhundert. Walter de Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-061620-0, S. 1 (Google Books)
- ↑ Charlotte Schreiter: Lambert Krahe und die Gibsabdrücke der Düsseldorfer Akademie. In: Sonja Brink (Hrsg.): Akademie. Sammlung Krahe. Eine Künstlersammlung für Künstler. Düsseldorf 2013, S. 193–205
- ↑ Klaus Müller: Unter pfalz-neuburgischer und pfalz-bayerischer Herrschaft. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Schwann im Patmos Verlag, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 253
- ↑ Georg Forster: Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich, Erster Teil, Kapitel VI. bis VIII. Düsseldorf.
- ↑ Campagne in Frankreich 1792 im Abschnitt Pempelfort, November 1792. (gutenberg.org)
- ↑ Leonard Meister: Helvetiens berühmte Männer, Band 1, Zürich / Winterthur 1782, S. 145 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
- ↑ Thomas W. Gaehtgens: Auf dem Weg zur Kunstgeschichte. Pigages und Mechels Katalog zur Düsseldorfer Gemäldegalerie. In: Gudrun Swoboda (Hrsg.): Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums. Band II von Europäische Museumskulturen um 1800. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2013, S. 479
- ↑ Johann Georg Sulzer: Allgemeine Theorie der schönen Künste, M. G. Weidmanns Erben und Reich, Leipzig 1775, Zweiter Teil (K bis Z), S. 294 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
- ↑ Gustav Prümm: Ein „Gewinn fürs ganze Leben“. Die Düsseldorfer Gemäldegalerie des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-9115-1, S. 144
- ↑ Jürgen Overhoff: Ein Kaiser für Amerika. In: Die Zeit, Nr. 45/2012, S. 3: Feindetreffen in Frankfurt am Main
- ↑ Gilbert Chinard: Thomas Jefferson: The Apostle of Americanism, Erstveröffentlichung 1929, The Floating Press, 2011, ISBN 978-1-77545-593-6, S. 189 – „… the gallery of paintings is sublime …“.
- ↑ Karl Leopold Strauven: Ueber künstlerisches Leben und Wirken in Düsseldorf bis zur Düsseldorfer Maler-Schule unter Direktor Schadow. Hofbuchdruckerei H. Voß, Düsseldorf 1862, S. 38
- ↑ Briefe Clemens Brentanos zwischen dem 15. November 1802 und dem 10. Januar 1803, erschienen in: Beatrix Müller, Marianne Tilch (Hrsg.): Düsseldorf. Texte und Bilder aus vier Jahrhunderten. J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1991, ISBN 3-476-00784-7, S. 119 ff.
- ↑ Johann Wolfgang von Goethe: Campagne in Frankreich 1792, 1822. In: Beatrix Müller, Marianne Tilch (Hrsg.): Düsseldorf. Texte und Bilder aus vier Jahrhunderten. J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1991, ISBN 3-476-00784-7, S. 107
- ↑ Carmen Götz: „Wir leben in unserem Pempelfort … wie Diogenes in einem Fasse; nur mit dem Unterschied, dass wir reinlicher und geselliger sind“: Friedrich Heinrich Jacobi und die Geselligkeit im „Pempelforter Kreis“. In: Peter Albrecht, Hans Erich Bödeker, Ernst Hinrichs (Hrsg.): Formen der Geselligkeit in Nordwestdeutschland 1750–1820 (= Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, Band 27), ISBN 3-484-17527-3, S. 205 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)