Geschichte der Stadt Gaza bis 1949

Die Geschichte der Stadt Gaza bis 1949 umfasst rund 3400 Jahre fast kontinuierlichen urbanen Lebens. Gaza (arabisch غزة Ghazza, DMG Ġazza), die größte Stadt in den Palästinensischen Autonomiegebieten, gehört damit zu den ältesten Städten der Welt.

Die Lage an der Küstenstraße von Ägypten nach Syrien (Via Maris) machte Gaza zum umkämpften Grenzort zwischen dem altägyptischen Reich und den mesopotamischen Großreichen der Assyrer und Neubabylonier, später zwischen Ptolemäern und Seleukiden. Immer wieder war die Stadt im Lauf der Jahrhunderte von Truppendurchzügen betroffen. Außerdem war Gaza Ziel historischer Karawanenwege aus der Arava und der arabischen Halbinsel. Im Achämenidenreich florierte Gaza als eine Art Freihandelszone, von wo aus die Güter der Weihrauchstraße nach Ägypten und in die Provinz Transeuphratene vermarktet wurden.

Seit hellenistischer Zeit gewann Gazas Zugang zum Mittelmeer an Bedeutung. Gaza, selbst nie eine Hafenstadt im engeren Sinne, verfügte im Altertum über zwei Häfen: Anthedon (al-Balāḫīya ) und Maioumas (al-Mīnā, ). In spätantiker und frühbyzantinischer Zeit exportierte Gaza neben den Fernhandelsgütern der Weihrauchstraße einen im wasserreichen und fruchtbaren Umland der Stadt angebauten Qualitätswein.

In der römischen Kaiserzeit gab es in Gaza einen vitalen Kult des Stadtgottes Marnas und anderer paganer Gottheiten. Das Christentum fasste hier nur schwer Fuß. Noch im 6. Jahrhundert pflegten die mittlerweile christianisierten Eliten Gazas die antiken städtischen Traditionen.

In der frühislamischen Zeit und unter Kreuzfahrerherrschaft bleibt die Stadtgeschichte Gazas blass. Dagegen war die Mamlukenherrschaft (1260–1516) eine Blütezeit Gazas, die durch repräsentative Bauten und Inschriften auch stadtbildprägend war. Die Bevölkerung war nun mehrheitlich muslimisch mit einer größeren christlichen Minderheit und kleineren jüdischen und samaritanischen Minderheiten.

Nach der Eröffnung des Suezkanals (1869) war der Karawanenhandel nicht mehr lukrativ. Gaza konnte dies aber teilweise kompensieren: In spätosmanischer Zeit wurde im Umland der Stadt Getreide angebaut und im großen Stil nach Europa exportiert.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt an der Palästinafront 1917 evakuiert und in drei Schlachten um Gaza durch britisches Bombardement erheblich zerstört. Während des britischen Völkerbundsmandats für Palästina – gekennzeichnet durch schwere Konflikte zwischen den Mitgliedern des jüdischen Jischuv, den britischen Behörden und den arabischen Einwohnern Palästinas – waren Gaza und Umgebung ein eher ruhiges Randgebiet. Im Palästinakrieg war Gaza Sitz der kurzlebigen Gesamtpalästinensischen Regierung. Durch die Nakba wurde die Agrarstadt Gaza zur Großstadt.

Im Zuge des Krieges in Israel und Gaza seit 2023 wurden zahlreiche Gebäude in der Stadt Gaza von den Israelischen Verteidigungsstreitkräften stark beschädigt oder völlig zerstört; das betrifft auch in diesem Artikel erwähnte historische Gebäude. Da eine Bestandsaufnahme aber nicht möglich ist (Stand September 2025), werden Gebäude, die vor Kriegsbeginn vorhanden waren, weiterhin als existierend angesprochen.

  1. Malak A. Tantesh, Jason Burke, Enas Tantesh: ‘I will spend my life rebuilding’: Gaza’s heritage sites destroyed by war. In: The Guardian. 17. März 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 15. September 2025]).