Golpa-Leitung

Als Golpa-Leitung wird eine in den Jahren 1917 und 1918 gebaute, 132 km lange 110-kV-Drehstromfreileitung bezeichnet, die vom Kraftwerk Zschornewitz nach Berlin-Rummelsburg führte. Sie wurde von den Elektrowerken errichtet, um während des Ersten Weltkriegs ein Aluminiumwerk in Berlin mit Braunkohlestrom aus dem Bitterfelder Bergbaurevier zu versorgen. Es handelte sich dabei um eine der ersten Hochspannungsleitungen Deutschlands überhaupt, die mit dieser Spannung betrieben wurde. Nach Kriegsende wurde diese Leitung infolge der Umstrukturierung der Elektrowerke zum Fernstromversorger Teil des mitteldeutschen Verbundnetzes. Ergänzend zu dieser 1921 nach Friedrichsfelde erweiterten Leitung entstanden in den 1920er Jahren drei weitere 110-kV-Fernleitungen von den Kraftwerken Zschornewitz und Trattendorf zu den beiden Berliner Schaltstationen Spandau und Friedrichsfelde.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs demontierte die Sowjetunion die Leitungen von Trassendorf nach Berlin. Im Juni 1948 unterbrach die sowjetische Militäradministration schließlich die Belieferung Berlins mit Strom aus dem Kraftwerk Zschornewitz, was als Beginn der Berlin-Blockade in die Geschichte einging. Damit war auch die Stromversorgung der Westsektoren Berlins von außen gekappt, der Gasversorgung und Zufahrtswege folgten. Nach Ende der Blockade wurde die Versorgung im Mai 1949 vorerst wieder aufgenommen. Mit der weiteren Zuspitzung des Ost-West-Konflikts in den 1950er Jahren wurden im Westteil Berlins eigene Kraftwerkskapazitäten aufgebaut und ausreichende Kohlereserven gelagert. Deshalb wurde die Golpa-Leitung auf West-Berliner Gebiet abgebaut.