Immunisierungsstrategie
Die ideologiekritischen Begriffe Immunisierungsstrategie, Selbstimmunisierung (gegen Kritik) oder auch Kritikimmunisierung sind von dem deutschen Soziologen und Philosophen des Kritischen Rationalismus, Hans Albert, in die Wissenschaftstheorie eingebracht worden.
Hans Albert versteht darunter – im Anschluss an Karl Popper – alle Versuche, Theorien, religiöse oder säkulare Anschauungen durch Dogmatisierung gegen unvoreingenommene, kritische Überprüfung, gegen rationale Einwände abzuschirmen (zu immunisieren), unwiderlegbar zu machen, indem man sie z. B. zu absoluten und unumstößlichen Wahrheiten erklärt.
- „Dogmatisierung – so kann man die Herstellung solcher Kritikimmunität von Problemlösungen nennen, wenn man sich an den eingebürgerten Sprachgebrauch anlehnen will – ist dabei nicht auf bestimmte Bereiche beschränkt – etwa auf eine Disziplin wie die Theologie oder auf den Bereich der Erkenntnis überhaupt –, sie ist vielmehr eine allgemeine Möglichkeit der sozialen Praxis, von der Erkenntnispraxis der Wissenschaft bis etwa zur Praxis in Recht, Politik und Wirtschaft.“
Immunisierungsstrategien zu erkennen sei demnach ein scharfes Instrument aufklärungsphilosophischer Kritik von Weltanschauungen, Heilslehren und Ideologien jeder Provenienz.
- ↑ siehe Karl R. Popper: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf. Hamburg 1973, S. 43:
- Man kann jede Theorie gegen Kritik immunisieren. (Dieser ausgezeichnete Ausdruck, den ich meinen Ausdrücken konventionalistische Strategie und konventionalistische Wendung vorziehe, stammt von Hans Albert).
- ↑ Hans Albert: Die Idee der kritischen Vernunft. ( des vom 13. November 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 239 kB) In: Aufklärung und Kritik. Februar 1994, S. 16 ff.
- ↑ Hans Albert: Aufklärung und Steuerung. In: Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Bd. 17. Tübingen 1972.