Jugoslawischer Kriegsschauplatz
| Jugoslawischer Kriegsschauplatz | |||||||||||||
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| Teil von: Zweiter Weltkrieg | |||||||||||||
Besatzungszonen der Achsenmächte in Jugoslawien, 1943/1944 | |||||||||||||
| Datum | 6. April 1941 bis Ende Mai 1945 | ||||||||||||
| Ort | Jugoslawien | ||||||||||||
| Casus Belli | Besetzung Jugoslawiens durch die Achsenmächte | ||||||||||||
| Ausgang | Sieg der Volksbefreiungsarmee und der Alliierten | ||||||||||||
| Folgen | Kommunistische Machtübernahme in Jugoslawien | ||||||||||||
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1941: Balkanfeldzug – Aufstand in Montenegro – Aufstand in Serbien – Užice
1942: Südostkroatien – Trio – Kozara
1943: Neretva – Sutjeska – Kugelblitz
1944: Rösselsprung – Belgrader Operation
1945: Odžak – Jugoslawische Nachkriegsverbrechen
Der jugoslawische Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs, im Sprachgebrauch des kommunistischen Jugoslawien als Volksbefreiungskrieg und im bundesdeutschen Sprachgebrauch als Partisanenkrieg in Jugoslawien bekannt, umfasst neben dem Angriff der Achsenmächte auf Jugoslawien im April 1941 besonders den darauf folgenden und intensiv geführten Mehrfrontenkrieg zwischen verschiedenen Besatzungsmächten und Widerstandsbewegungen, der von 1941 bis 1945 als Teil des größeren Zweiten Weltkriegs geführt wurde und im Mai 1945 sogar das offizielle Kriegsende in Europa um mehrere Wochen überdauerte.
Nach dem Balkanfeldzug im April bildeten sich bis Jahresende 1941 kampfstarke Widerstandsbewegungen gegen die deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Besatzungsmacht sowie besonders gegen die im von den Achsenmächten neu gegründeten Unabhängigen Staat Kroatien herrschende klerikal-faschistische Ustascha-Bewegung. Die beiden wichtigsten Widerstandsgruppen waren die kommunistisch dominierte Partisanenbewegung (später: „Volksbefreiungsarmee“) unter Josip Broz Tito sowie die serbisch-nationalistischen Tschetnik-Verbände, deren wichtigster Anführer Draža Mihailović war. Diese beiden Hauptwiderstandsgruppen führten aber ab spätestens November 1941 auch einen brutalen Bürgerkrieg gegeneinander, weswegen insbesondere die Tschetniks dazu übergingen, zunächst mit den Italienern und dann auch mit den Deutschen intensiv zu kollaborieren, um gemeinsame Kampfhandlungen gegen die Partisanen zu koordinieren.
Der Schwerpunkt der Kämpfe lag Ende 1941 im südlichen Zentrum des heutigen Serbien, verlagerte sich dann mit dem Jahreswechsel 1941/42 jedoch ins heutige Bosnien und Herzegowina, wo anschließend bis Mitte 1944 die deutliche Mehrheit der größeren Schlachten und Operationen ausgetragen wurde, weshalb in Bosnien-Herzegowina auch die Todesrate der Zivilbevölkerung deutlich höher war als in anderen Teilen Jugoslawiens. Große Bedeutung kam auf dem Kriegsschauplatz auch den Gebieten der heutigen Staaten Serbien, Kroatien und Montenegro zu. Nebenkriegsschauplätze gab es im Kosovo, in der Vojvodina und dem Banat, in Nordmazedonien und in Slowenien. Jugoslawien erlitt proportional die dritthöchsten Menschenverluste des Zweiten Weltkriegs, nur noch übertroffen von Polen und der Sowjetunion.
In Jugoslawien verübten die Besatzer zahlreiche Kriegsverbrechen. Sowohl deutsche als auch italienische Gewaltexzesse und Massaker forderten zehntausende Todesopfer in den jeweiligen Besatzungszonen. Die kroatischen Ustascha beteiligten sich freiwillig an den Völkermorden der Deutschen (Holocaust, NS-Völkermord an den Sinti und Roma), denen in Jugoslawien zehntausende Juden und Roma zum Opfer fielen. Den Völkermord an den Roma betrieben in Jugoslawien die Ustascha sogar wesentlich stärker als die Nationalsozialisten. Darüber hinaus begingen die Ustascha einen von den Deutschen unabhängigen Völkermord an den Serben; Ustascha-Personal leitete mit dem KZ Jasenovac das einzige nichtdeutsche Vernichtungslager Europas.
Zwischen 1941 und 1943 wurde auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz hauptsächlich in der Form der Guerilla- bzw. Partisanenkriegführung gekämpft, wobei die Widerstandsgruppen mit Sabotageakten und Hinterhalten vorgingen und Eisenbahnlinien sowie Garnisonen attackierten. In den schwer zugänglichen Gebirgen und Waldgebieten Jugoslawiens bauten die Widerständler eigene Machtbereiche auf, die dann üblicherweise in Militäroperationen der Besatzungstruppen der Achsenmächte angegriffen wurden. Spätestens 1944 setzte sich aber die Volksbefreiungsarmee als die stärkste Widerstandskraft in Jugoslawien durch und vollbrachte den Umbau der Partisanenabteilungen in eine konventionelle Streitmacht, die zum Jahreswechsel 1944/45 entlang einer fest definierten Frontlinie mit eigenen Land-, Luft- und Seeverbänden Krieg gegen Wehrmacht und Waffen-SS führte.
Ab Oktober 1944 trat die Rote Armee der Sowjetunion im Zuge der Belgrader Operation für einige Monate auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz in Erscheinung, womit der jugoslawische Kriegsschauplatz Anschluss an den südlichsten Ausläufer der deutsch-sowjetischen Frontlinie fand. Nach der Befreiung Belgrads und der Vojvodina drehten die sowjetischen Truppen jedoch nordwärts in Richtung Ungarn ein, wodurch ihr Kampfeinsatz in Jugoslawien nur von kurzer Dauer war.
Im Mai 1945 brachte das allgemeine Kriegsende den Sieg der Volksbefreiungsarmee in Jugoslawien. Hier ging der Krieg jedoch noch mehr als eine Woche über das Kapitulationsdatum hinaus, da sich die fliehenden Soldaten und Zivilisten der Achsenmächte dem Zugriff von Titos Truppen entziehen wollten. Es kam in den ersten Wochen der Nachkriegszeit zu umfangreichen Massakern der Sieger, die besiegte Soldaten sowie fliehende Zivilisten deutscher, italienischer, ungarischer oder kroatischer Nationalität als Ziel hatten. An das Kriegsende in Jugoslawien schloss sich die Gründung der Föderativen Republik Jugoslawien an.
- ↑ Klaus Schmider: Der jugoslawische Kriegsschauplatz (Januar 1943 bis Mai 1945). In: Karl-Heinz Frieser et al. (Hrsg.): Die Ostfront 1943/44: Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8). Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1009–1088.
- ↑ Vlado Strugar: Der jugoslawische Volksbefreiungskrieg 1941 bis 1945. Ost-Berlin 1969.
- ↑ Klaus Schmider: Auf Umwegen zum Vernichtungskrieg? Der Partisanenkrieg in Jugoslawien, 1941–1944. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht: Mythos und Realität. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-85202-8, S. 901–922.
- ↑ Klaus Schmider: Partisanenkrieg in Jugoslawien 1941–1944. Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Hamburg 2002, ISBN 3-8132-0794-3.