Kernkraftwerk Saporischschja

Kernkraftwerk Saporischschja
Blick von Westen auf das Kernkraftwerk Saporischschja mit den Blöcken 1 bis 6 (von rechts nach links).
Die beiden hohen Kamine gehören zum Wärmekraftwerk Saporischschja, die beiden weißen Gebäude links von ihnen sind dessen Kesselhäuser. (Aufnahme von 2009)
Lage
Koordinaten 47° 30′ 44″ N, 34° 35′ 9″ O
Land Ukraine Ukraine
Daten
Eigentümer Enerhoatom
Betreiber Enerhoatom
Kommerzieller Betrieb 25. Dez. 1985

Aktive Reaktoren (Brutto)

6  (6000 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2010 39.061,1 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme 753.403 GWh
Website www.npp.zp.ua (Betreiber)
Stand 6. Juni 2011
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Saporischschja (ukrainisch Запорізька атомна електростанція, russisch Запорожская атомная электростанция, englisch Zaporizhzhya Nuclear Power Plant = ZNPP) befindet sich direkt am durch den Fluss Dnepr gebildeten Kachowkaer Stausee auf dem Territorium der Stadt Enerhodar, 152,5 km vom Kachowka-Staudamm entfernt und 55 km südwestlich der Oblast-Hauptstadt Saporischschja im Südosten der Ukraine. Es hat sechs Druckwasserreaktoren der sowjetischen Bauart WWER-1000/320 mit je 950 MW Nettoleistung (thermische Leistung je 3,2 GW, Wirkungsgrad 30 %) und ist mit 5,7 GW installierter Gesamtleistung das leistungsstärkste Kernkraftwerk Europas. Seine Stromproduktion ist eingestellt. Nach kriegerischer russischer Annexion/Besetzung 2022, sicherheitshalber Abschaltung der Stromproduktion 2022, Auslaufen des Kühlwasser liefernden Stausees 2023 ist es seit 2024 vollständig kaltabgeschaltet, wird im Werk von der IAEA beobachtet und benötigt in diesem Zustand ständige Stromversorgung.

Etwa 2 km östlich des Kernkraftwerkes steht das konventionelle Wärmekraftwerk Saporischschja. Beide Anlagen zusammen beinhalten etwa 30 % der gesamten Kraftwerkskapazität der Ukraine und lieferten 2021 23 % des gesamten in der Ukraine gewonnenen Stroms.

Das Kernkraftwerk, das vom ukrainischen Staatsunternehmen Enerhoatom betrieben wurde, versorgte fast den gesamten Süden der Ukraine und war seit dem Wegfall aller vier Blöcke des Kernkraftwerks Tschernobyl essenziell für die Energieversorgung der Ukraine. Bis zum 11. September 2022 wurde die Stromproduktion der letzten noch in Betrieb befindlichen Blöcke jedoch beendet, da die Betriebsbedingungen infolge der Kämpfe extrem schwierig wurden und ein aktiver Reaktor im Falle eines Treffers eine nukleare Katastrophe verursachen könnte.

Vor dem russischen Überfall auf die Ukraine arbeiteten etwa 11.000 Menschen in dem Werk. Am 4. März 2022 geriet das Kernkraftwerk unter russische Besatzung. Es wird jedoch weiterhin von lokalem Personal, von dem der größte Teil bis Oktober 2022 geflohen war, betrieben bzw. überwacht. Im Juni 2023 gab es dort noch etwa 3500 Mitarbeiter.

Im Zuge der russischen Annexion der Süd- und Ostukraine wurde auch das Gelände des KKW als russisches Staatsgebiet deklariert. Der russische Präsident stellte es am 5. Oktober 2022 per Dekret unter russische Verwaltung und erklärte es entgegen internationalem Recht zu russischem Eigentum.

Seit dem 13. April 2024 befindet sich auch der letzte Reaktor im Kaltabschaltzustand. Aufgrund der im Normalbetrieb erforderlichen etwa 12 GW Kühlleistung, die durch das aus dem Stausee entnommene Wasser erbracht wurde, ist eine Wiederinbetriebnahme des Werkes zur regulären Stromerzeugung nach dem Auslaufen des Stausees im Juni 2023 laut dem Leiter der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit „eigentlich ausgeschlossen“.

  1. Christoph Rieke: Provisorische Verwaltung berichtet von Schäden an AKW Saporischschja durch ukrainischen Beschuss. In: Liveblog Reaktor in ukrainischem Atomkraftwerk Saporischschja heruntergefahren (Memento vom 6. August 2022 im Internet Archive). Der Tagesspiegel, 5. August 2022, 16:30 Uhr.
  2. Nationaler Streßtestreport der Ukraine für 2011, Seite 49.
  3. Ihor Pylypenko, Daria Malchykova: Der Kachovka-Stausee – Wirtschaftsmotor und Kriegsschauplatz. In: Osteuropa 1–2/2023 (PDF).
  4. tagesschau.de: Liveblog: Russland dementiert Raketenabschuss. Abgerufen am 16. Mai 2023.
  5. 1 2 3 AKW Saporischschja: „Kühlung nicht infrage gestellt“. 9. Juni 2023, abgerufen am 9. Juni 2023.
  6. Unklare Lage am AKW Saporischschja: Selenskyj-Berater schimpft über Atombehörden-Chef Grossi. In: Der Spiegel. 5. Juli 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 5. Juli 2023]).
  7. Veronika Hackenbroch: Sorge um ukrainisches AKW Saporischschja: »Situation kann schnell unüberschaubar werden«. In: Der Spiegel. 10. August 2022 (spiegel.de [abgerufen am 11. August 2022]).
  8. Newsblog zum Krieg in der Ukraine – Putin beauftragt nach Explosion Geheimdienst mit Überwachung der Kertsch-Brücke. In: deutschlandfunk.de. Abgerufen am 9. Oktober 2022.
  9. Aktuelle Entwicklungen. Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, abgerufen am 20. April 2024.