Kinderpsychologie
Die Kinderpsychologie ist ein Teilbereich der Entwicklungspsychologie und steht in enger Verbindung zur Pädagogischen Psychologie, Klinischen Psychologie, Kognitiven Psychologie, Sprachpsychologie und Sozialpsychologie. Während in der Entwicklungspsychologie Veränderungen über die ganze Lebensspanne (sog. life-span-developmental psychology) erforscht werden, sind die Gegenstände der Kinderpsychologie die altersbezogenen Veränderungen im menschlichen Erleben und Verhalten beginnend mit den frühen Abschnitten im Lebenslauf (Pränatalentwicklung, frühe, mittlere und späte Kindheit) bis hin zur Pubertät bzw. der Adoleszenz. Diese altersbezogenen Veränderungen werden als Ergebnis (1) endogener Bedingungen (genetische Faktoren, Reifung, verkürzend auch Anlage-Faktoren genannt), (2) exogener Einflüsse (Lernen, Sozialisationsprozesse, kritische Lebensereignisse, bisweilen auch unter Umweltfaktoren zusammengefasst) und (3) innerpsychischer Faktoren (bewusste Selbststeuerung, z. B. in Bezug auf Lebenspläne, Selbstverwirklichung, und unbewusst dynamische Prozesse) gesehen.
In den Diplom- bzw. Bachelor-/Masterstudienordnungen für Psychologie wurde in den deutschsprachigen Ländern lange Zeit ausschließlich das Fach Entwicklungspsychologie genannt; ein eigenständiges universitäres Studienfach „Kinderpsychologie“ existierte nicht, ebenso wenig ein spezifischer akademischer Abschluss in diesem Bereich. In den letzten Jahren haben jedoch mehrere Universitäten spezialisierte Masterprogramme mit Schwerpunkt auf kindlicher Entwicklung oder klinischer Kinder- und Jugendpsychologie eingeführt, beispielsweise ein internationaler Studiengang der Universität Leipzig (M.Sc. Child Development and Intervention), oder der Masterstudiengang Psychologie – Kindheit und Jugend (M.Sc.) der Universität Mainz. Auch wenn Psychologen kein spezielles Studium der Kinderpsychologie absolviert haben, können sie sich in der Forschung gezielt mit Kindern beschäftigen und in verschiedenen Anwendungskontexten schwerpunktmäßig mit Kindern arbeiten; letzteres etwa als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, indem sie psychisch oder psychosomatisch erkrankte Kinder psychotherapeutisch behandeln.
- ↑ Oerter, R., & Montada, L. (Hrsg.). Entwicklungspsychologie. 8. Auflage. Beltz, Weinheim 2018.
- ↑ Hickmann, M. (1993). The development of language and cognition: Language acquisition and cognitive development. In: Pragmatics 11(2), 179–201. John Benjamins Publishing Company.
- ↑ National Association for the Education of Young Children (NAEYC). (2020). Developmentally Appropriate Practice: Principles. Abgerufen am 16. Oktober 2025, von naeyc.org
- ↑ Schenk-Danzinger, 1980, S. 26
- ↑ Stefan Schmidtchen: Kinderpsychologie – Lexikon der Psychologie. In: Spektrum.de. 2000, abgerufen am 10. September 2018.
- ↑ Beispiel Hamburg: Universität Hamburg – Arbeitsbereich Entwicklungspsychologie
- ↑ Universität Leipzig – Child Development and Intervention (M.Sc.)
- ↑ Universität Mainz – Psychology: Childhood and Adolescence (M.Sc.)