Lorscher Bienensegen
Der Lorscher Bienensegen gehört zu den ältesten gereimten Dichtungen in deutscher Sprache. Der althochdeutsche Bienensegen wurde im 10. Jahrhundert kopfüber an den unteren Rand einer Seite der apokryphen Visio St. Pauli aus dem frühen 9. Jahrhundert geschrieben. Das Manuskript entstand im mittel- oder oberrheinischen Raum und wurde ab etwa 900 im Kloster Lorsch aufbewahrt; dort dürfte der Eintrag des Bienensegens im 10. Jahrhundert erfolgt sein. Im 16. Jahrhundert gelangte die Handschrift in die Bibliotheca Palatina in Heidelberg. Seit 1623 wird sie in der Biblioteca Apostolica Vaticana unter der Signatur Codex Pal(atinus) lat(inus) 220 aufbewahrt. Der Bienensegen findet sich dort als kopfüber stehender Nachtrag auf der Freifläche unterhalb des Textspiegels auf Fol. 58r. Der handschriftliche Kontext legt nahe, dass der Text am unteren Rand des Manuskripts hinzugefügt wurde, um herausgelöst und als Amulett in einem Bienenhaus verwendet zu werden.
Der Spruch sollte vermutlich ein schwärmendes Bienenvolk an einen Bienenstock zurückrufen. Englische Linguisten haben Ähnlichkeiten mit dem altenglischen Bienensegen Charm wiþ ymbe festgestellt.
- ↑ Tim Hertogh: The Lorscher Bienensegen is an Amulet: Using Manuscript Margins to Make Amulets. In: Manuscript and Text Cultures (MTC). Band 3, Nr. 1, 2024, ISSN 2752-3470, S. 160–74, doi:10.56004/v3.1th (mtc-journal.org [abgerufen am 15. November 2025]).
- ↑ Michael Kautz, Universitätsbibliothek Heidelberg: Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana Pal. lat. 220, Stand: 20. Februar 2013.
- ↑ The Anglo-Saxon Minor Poems, S. 297. Online; Felix Grendon: The Anglo-Saxon charms, 1909, S. 209 Online