Massaker von Srebrenica

Massaker bzw. Völkermord von Srebrenica
Teil von: Bosnienkrieg

Grabsteine an der Völkermord-Gedenkstätte in Potočari in der Nähe von Srebrenica
Datum 11. Juli 1995 bis 22. Juli 1995
Ort Srebrenica, Republik Bosnien und Herzegowina 44° 6′ 0″ N, 19° 18′ 0″ O
Ursache Bosnienkrieg infolge des Zerfalls Jugoslawiens, serbische Politik der ethnischen Säuberung sowie das Scheitern des UN-Schutzes in Srebrenica.
Ziele Beseitigung der bosniakischen Präsenz in Srebrenica und ethnische Homogenisierung des bosnisch-serbisch kontrollierten Gebiets in Ostbosnien.
Methoden • Einnahme der UN-Schutzzone
• Terrorisierung der Bevölkerung
• Trennung von Männern und Jungen von Frauen, Kindern und Älteren
• Inhaftierung, Misshandlung und Massenerschießungen
• Deportation bzw. Zwangsvertreibung
• Verscharrung in Massengräbern und spätere Umbettung zur Spurenverwischung.
Ausgang • Fall Srebrenicas am 11. Juli 1995
• systematische Ermordung von mehr als 7'000 bis über 8'000 Bosniaken, vor allem Männern und Jungen
• gewaltsame Entfernung des übrigen bosniakischen Bevölkerungsteils aus der Enklave
Folgen • Juristische Einstufung als Genozid
• internationale Strafverfahren gegen Verantwortliche
• dauerhaftes Symbol für das Versagen internationaler Schutzpolitik in Bosnien
Konfliktparteien

Vojska Republike Srpske
Škorpioni

Bosniakische Zivilbevölkerung von Srebrenica sowie bosniakische Flüchtlinge und Gefangene aus der Enklave

Anführer

Ratko Mladić
Slobodan Medić

Verluste

• Mehr als 8'000 ermordete Bosniaken
• etwa 25'000 Frauen, Kinder und Ältere zwangsweise vertrieben

Das Massaker von Srebrenica, auch bezeichnet als Völkermord von Srebrenica (bosnisch Genocid u Srebrenici), war ein Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs. Über mehrere Tage – im Kern vom 11. bis zum 19. Juli 1995 – verübten Soldaten der Armee der Republika Srpska (Vojska Republike Srpske, VRS), der Polizei und des serbischen Paramilitärs unter der Führung von Ratko Mladić, verteilt auf eine Vielzahl von Tatorten in der Nähe von Srebrenica, den Mord an mehr als 8000 (zum größten Teil männlichen) Bosniaken. In Srebrenica befanden sich 400 bis 450 leicht bewaffnete niederländische Blauhelm-Soldaten. Sie waren den Angreifern militärisch weit unterlegen und hatten keine Erlaubnis für den Einsatz von Waffengewalt zur Durchsetzung ihres Auftrags.

Das Massaker gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Prozesse vor internationalen Gerichten belegten, dass die Verbrechen nicht spontan erfolgten, sondern systematisch geplant und durchgeführt wurden und als Völkermord einzuordnen sind.

Vom 30. August 1995 bis zum 20. September 1995 fand mit Billigung der UN die Operation Deliberate Force statt. Kampfflugzeuge von acht NATO-Staaten flogen 3.515 Einsätze und bekämpften 386 feindliche Ziele mit 1026 Bomben, darunter zahlreichen Präzisionsbomben. Die Operation endete, nachdem die Serben ihre schweren Waffen abgezogen und eine Garantie für die verbliebenen Schutzzonen abgegeben hatten.

Das Abkommen von Dayton (auch Dayton-Vertrag genannt) beendete Ende 1995 nach dreieinhalb Jahren den Bosnienkrieg.

Im Jahr 2022, 27 Jahre nach dem Massaker, bat die niederländische Regierung um Entschuldigung bei den Angehörigen der Ermordeten und bei den damals eingesetzten niederländischen Soldaten.