Mentalisierungsbasierte Psychotherapie

Die Mentalisierungsbasierte Psychotherapie oder auch Mentalisierungsgestütztes Behandlungskonzept (engl. Mentalization-Based-Treatment, kurz: MBT) ist eine integrative Form der Psychotherapie, die psychodynamische, systemische, klientenzentrierte und dialektisch-behaviorale Therapieansätze miteinander verbindet und Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie, Bindungstheorie und Theory of Mind einbezieht. Sie wurde von dem englischen Psychiater und Psychoanalytiker Anthony W. Bateman und dem englischen Psychologen und Psychoanalytiker Peter Fonagy entwickelt. Sie basiert auf dem Modell der Mentalisierung, das von Fonagy und der Psychologin und Psychoanalytikerin Mary Target entwickelt wurde.

Die mentalisierungsbasierte Psychotherapie soll Menschen dazu befähigen, eigene Wünsche, Gedanken und Überzeugungen, sowie die anderer Menschen besser zu verstehen. Es umfasst die Fähigkeit, in anderen Menschen wie bei sich selbst mentale, geistige und emotionale Vorgänge zu erkennen, die seinem Handeln zugrunde liegen. Ebenso ist es möglich, sich selbst zu mentalisieren, also reflexiv zu erfassen, welche Umstände und Erfahrungen in der Vergangenheit und Gegenwart zu den jetzigen Wünschen, Gedanken und Überzeugungen geführt haben. Dieses Verstehen wird in der MBT Mentalisierung genannt, also die Fähigkeit, seelische Vorgänge als Ursache von Handlungen zu verstehen.

Durch diese Auseinandersetzung mit den Vorstellungen des Gegenübers wie auch mit den eigenen Vorstellungen über dessen Überzeugungen, Gefühle, Einstellungen und Wünsche, die dessen Verhalten zugrunde liegen, erwirbt man gewissermaßen die Fähigkeit, am Verhalten „ablesen zu können, was in den Köpfen anderer vorgeht“, wie auch die eigenen affektiven und mentalen Zustände zu verstehen und vom Verhalten zu unterscheiden und es dabei gleichzeitig als deren Verursacher anzuerkennen. Dies erfordert die Exploration und Selbstreflexion der eigenen Innenwelt, die einfühlsame Erforschung der Welt des anderen und der gemeinsamen Beziehung.

Das sogenannte mentalisierungsgestützte Behandlungskonzept, das auch manualisiert wurde, ist als ein Behandlungsprogramm der Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt worden und umfasst sowohl einzel- als auch gruppenpsychotherapeutisches Vorgehen. Es kann sowohl stationär bzw. teilstationär als auch ambulant durchgeführt werden.

Das Mentalisierungskonzept eignet sich ebenfalls für die Behandlung von anderen Störungen, die mit einer eingeschränkten Mentalisierungsfähigkeit einhergehen können. Hier stehen vor allem die Dissoziale Persönlichkeitsstörung und andere Persönlichkeitsstörungen im Vordergrund, aber auch Zwangsstörungen und sonstige neurotische Störungen, die ein individuell niedriges Strukturniveau aufweisen.

Darüber hinaus können die Mentalisierung fördernde Interventionen auch innerhalb anderer einzel- und gruppenpsychotherapeutischer Behandlungen interdisziplinär eingesetzt werden.

Für den deutschsprachigen Raum gibt es psychoanalytische Traditionen, die Elemente der MBT beinhalten und vom Mentalisierungskonzept profitiert haben. Dazu gehören unter anderem traditionell das Göttinger Modell nach Heigl & Heigl-Ewers sowie neuzeitlich die strukturbezogene Psychotherapie nach Gerd Rudolf.

  1. Sebastian Euler, Marc Walter: Mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT). Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-17-031651-5.
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