Perfekt im Deutschen

Als Perfekt (lateinisch [tempus] [praeteritum] perfectum ‚vollendete Zeitform‘), auch vollendete Gegenwart (Praesens perfectum) oder Vorgegenwart, in neueren Grammatiken auch Präsensperfekt genannt, wird in der deutschen Grammatik ein Tempus eines Verbs bezeichnet, das vollendete Handlungen und Vorgänge ausdrückt. Als Vorzeitigkeits­tempus drückt es im Verhältnis zum Präsens das zuvor Geschehene aus. In den deutschen Dialekten südlich des Mains und zunehmend in der Umgangssprache überhaupt, so auch in Film und Fernsehen, dient es als Ersatzform für das Präteritum, um generell abgeschlossene Handlungen auszudrücken. Es wird deshalb auch zweite Vergangenheit (kurz „2. Vergangenheit“) genannt.

Im Gegensatz zur deutschen Sprache drückt im Lateinischen das Perfekt als temporales Perfekt Handlungen der Vergangenheit aus und dient dabei als Erzähltempus. In anderen indogermanischen Sprachen entsprechen als Perfekt bezeichnete Verbformen allerdings als Verbalaspekt ähnlich wie das deutsche Perfekt dem perfektischen Aspekt (Resultativ).

  1. Johann Christian August Heyse: Theoretisch-praktische deutsche Grammatik. 4. Ausg. Hahn, Hannover 1827. S. 414.
  2. Anne-Françoise Ehrhard: Die Grammatik von Johann Christian Heyse: Kontinuität und Wandel im Verhältnis von Allgemeiner Grammatik und Schulgrammatik (1814–1914). Walter de Gruyter, Berlin 1998. S. 126.
  3. Perfekt, duden.de
  4. Vorgegenwart, duden.de
  5. Die Grammatik (= Duden. Band 4). Hrsg. von der Dudenredaktion. 8., überarbeitete Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Zürich 2009, S. 463 bzw. Rn. 656. Die Dudengrammatik stützt sich hier auf Thieroff 1992, Eisenberg 2006 und Zifonin et al. 1997.
  6. Elisabeth Leiss: Die Verbalkategorien des Deutschen: Ein Beitrag zur Theorie der sprachlichen Kategorisierung. Walter de Gruyter, Berlin 1992. S. 276ff.
  7. Duden, Die Grammatik. 7. Auflage. 2005, ISBN 3-411-04047-5, Rn. 706.