Phönizier

Phönizier (auch Phönikier oder Phöniker, altgriechisch Φοίνικες Phoínikes) ist ein Name für die semitischsprachige Bevölkerung, die im Altertum (im 1. Jahrtausend v. Chr.) die Levante besiedelte. Der als Phönizien (altgriechisch Φοινίκη Phoiníkē) bezeichnete geografische Raum erstreckt sich entlang der östlichen Mittelmeerküste und ihrem Hinterland, mit dem Karmel-Gebirge als natürlicher Grenze. Die nördlichste phönizische Stadt ist Aruad, die südlichste Stadt ist Dor. Die einflussreichsten phönizischen Stadtstaaten waren Akko, Aruad (Arados), Byblos, Beirut, Sidon und Tyros. Das nicht einfach zu definierende phönizische Siedlungsgebiet, das zudem zu verschiedenen Zeiten nicht immer dieselbe Größe hatte, befindet sich im Kern im heutigen Libanon, Syrien und Nord-Israel, der kulturelle Raum greift auch weit in die Region Palästina aus, nach Süden bis Gaza. Aufgrund der handelsexpansiven Natur der Phönizier sind auch Teile Siziliens, Spaniens und Nordafrikas zumindest punktuell in den phönizischen Kulturraum einzubeziehen.

Die als „Phönizier“ bezeichneten ethnischen Gruppen der Levante waren in Stadtstaaten organisiert und bildeten kein einheitliches Reich. Das als „Phönizien“ bezeichnete Gebiet ist eine Aneinanderreihung von Stadtstaaten. Obwohl die phönizischen Stadtstaaten überwiegend autonom waren, standen sie über lange Zeit hinweg unter dem Einfluss von Großreichen wie Ägypten, Assyrien, Babylonien und schließlich dem Perserreich.

Die phönizischen Stadtstaaten waren auf den Handel und die Seefahrt spezialisiert und stark in den florierenden Mittelmeerhandel eingebunden. Ihre wirtschaftliche Blütezeit dauerte von etwa 1000 bis 600 v. Chr. an. In diesem Zeitraum etablierten sie den See- und Fernhandel mit allen Großreichen und Staaten der Nachbarschaft, vor allem mit Kleinasien, Ägypten, Assyrien, Griechenland und Babylonien. Ausgehend von der Levante, gründeten die phönizischen Stadtstaaten zahlreiche Handelsniederlassungen in weiten Teilen des südlichen und westlichen Mittelmeerraums. Wichtige Exportgüter waren unter anderem Holz, Purpur und gefärbte Textilien, Elfenbein und Elfenbeinobjekte, sowie Nahrungsmittel wie zum Beispiel Wein und Olivenöl. Besonders gefragt war das Zedernholz aus dem Libanongebirge. Sie fungierten auch als Zwischenproduzenten, so verarbeiteten sie zum Beispiel importiertes Erz wie etwa Zinn von den Zinninseln aus dem antiken Britannien oder Kupfer aus Zypern und verkauften die daraus entstehenden Produkte (Bronze) weiter.

  1. Wolfgang Röllig: Phönizier, Phönizien. In: Dietz Otto Edzard, Michael P. Streck (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 10, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003–2005, ISBN 978-3-11-018535-5, S. 526–537.
  2. Hans Georg Niemeyer: Phönizier, Punier. II. Geographie und Topographie. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 912–915.
  3. Propyläen Weltgeschichte. Band 2: Hochkulturen des mittleren und östlichen Asiens. Propyläen, Berlin / Frankfurt / Wien 1962, S. 95.