Privatbahn-NPZ

Unter der Bezeichnung Privatbahn-NPZ werden eine Reihe von Schweizer Triebfahrzeugen, Steuerwagen und Zwischenwagen zur Bildung von Pendelzügen zusammengefasst, die zwischen 1981 und 1992 für Schweizer Privatbahnen gebaut wurden. Das Eidgenössische Amt für Verkehr (EAV) machte – wie schon bei den EAV-Triebwagen – die Ausrichtung von Bundesbeiträgen davon abhängig, dass sich die Privatbahnen auf Basis ihrer Pflichtenhefte untereinander auf möglichst stark standardisiertes Rollmaterial verständigen, damit Kosteneinsparungen durch Gemeinschaftsbestellungen erzielt werden konnten. Für diese zweite Generation von koordiniert beschafftem Rollmaterial setzte sich letztendlich die Bezeichnung «Privatbahn-NPZ» durch, in Anlehnung an die «Neuen Pendelzüge (NPZ)» der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Diese wurden 1984 als Prototypen, ab 1987 dann als Serienfahrzeuge an die SBB ausgeliefert und lehnen sich äusserlich stark an die geringfügig älteren Privatbahn-Fahrzeuge an.

Die Privatbahn-NPZ brachten gegenüber ihren Vorgängern zwei wesentliche Neuerungen: Anstelle einer Stufenschalter-Steuerung wurde eine stufenlose Thyristor-Steuerung eingebaut. Zudem erschienen die Fahrzeuge mit einer durchgehenden Aussenhaut, sie hatten aussenbündige Türen vom Typ Aussenschwingtüren. Weitere Neuerungen, z. B. die Luftfederung, beschränkten sich auf Teilserien der Züge.

Die Gemeinschaftsbestellung initiierten die BLS-Gruppe – bestehend aus der betriebsführenden Berner Alpenbahn-Gesellschaft Bern-Lötschberg-Simplon (BLS), der Spiez-Erlenbach-Zweisimmen-Bahn (SEZ), der Gürbetal-Bern-Schwarzenburg-Bahn (GBS) und der Bern-Neuenburg-Bahn (BN) – und die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT). An diese schlossen sich umgehend auch die Chemins de fer fribourgeois Gruyère–Fribourg–Morat (GFM) und die Chemin de fer Régional du Val-de-Travers (RVT) an, denen schliesslich noch die EBT-Gruppe folgte – bestehend aus der betriebsführenden Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT), den Vereinigten Huttwil-Bahnen (VHB) und der Solothurn-Münster-Bahn (SMB).

Von den ursprünglichen zehn Bahnunternehmen, die Privatbahn-NPZ beschafft haben, existiert keines mehr in seiner damaligen Form. Die vier Unternehmen der BLS-Gruppe sind zur BLS Lötschbergbahn AG (BLS) fusioniert, die drei Unternehmen der EBT-Gruppe zur Regionalverkehr Mittelland AG (RM); seit einer weiteren Fusion zwischen BLS und RM, bilden diese heute die BLS AG. GFM und RVT sind mittlerweile Teil der kantonalen Verkehrsunternehmen Transports publics fribourgeois (TPF) respektive Transports Régionaux Neuchâtelois (TRN); die BT ist mit der Schweizerischen Südostbahn (SOB) unter Beibehaltung des Namens letzterer fusioniert.