Russisch-Osmanischer Krieg (1877–1878)

Russisch-Osmanischer Krieg (1877–1878)
Teil von: Russisch-Türkische Kriege
Datum 24. April 1877 bis 3. März 1878
Ort Balkan, Kaukasien
Ausgang Sieg des Russischen Kaiserreiches
Friedensschluss Frieden von San Stefano, Berliner Kongress
Konfliktparteien

Russisches Kaiserreich 1858 Russland
Rumänien Fürstentum 1867 Rumänien
Bulgarien 1878 Bulgarien
Serbien Furstentum Serbien
Montenegro Furstentum Montenegro

Osmanisches Reich 1844 Osmanisches Reich

Befehlshaber

Russisches Kaiserreich 1858 Nikolai Romanow
Russisches Kaiserreich 1858 Michail Skobelew
Russisches Kaiserreich 1858 Michael Romanow
Russisches Kaiserreich 1858 Michael Loris-Melikow
Russisches Kaiserreich 1858 Josef Gurko
Russisches Kaiserreich 1858 Iwan Lasarew
Rumänien Fürstentum 1867 Fürst Karl I.
Bulgarien 1878 Fürst Alexander I.
Serbien Furstentum Kosta Protić
Montenegro Furstentum Fürst Nikola

Osmanisches Reich 1844 Ahmed Pascha
Osmanisches Reich 1844 Osman Pascha
Osmanisches Reich 1844 Süleiman Pascha
Osmanisches Reich 1844 Mehmed Ali Pascha
Osmanisches Reich 1844 Veisel Pascha
Osmanisches Reich 1844 Scheich Ubeydallah

Truppenstärke

Russland: 260.000
Rumänien: 60.000
Bulgarien: 40.000
Serbien: 81.500
Montenegro: 25.000

Osmanisches Reich: 281.000

Verluste

Russland: 15.567 Gefallene, 6.824 gestorbene Verwundete 81.166 durch Krankheiten gestorben
Rumänien: 4.302 Gefallene und Vermisste, 3.316 Verwundete
Bulgarien: 3.456 Gefallene und Verwundete
Serbien/Montenegro: 2.400 Gefallene und Verwundete

  • 30.000 Gefallene und Verwundete
  • 90.000 durch Krankheit Verstorbene

Der Russisch-Osmanische Krieg 1877–1878, auch Russisch-Türkischer Krieg 1877–1878 (türkisch 93 Harbi wegen des Rumi-Kalenders) genannt, war eine militärische Auseinandersetzung zwischen dem Russischen Kaiserreich, Serbien und Rumänien, und dem Osmanischen Reich. Der Krieg fand überwiegend auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien statt und endete mit einem Sieg Russlands, dessen Truppen am Ende der Kampfhandlungen etwa 20 km vor Konstantinopel standen. Da jedoch besonders Großbritannien das Prinzip der Balance of Power und Österreich-Ungarn seinen Einfluss auf dem Balkan durch den Machtzuwachs Russlands gefährdet sahen, wurden die Ergebnisse des russisch-türkischen Friedens von San Stefano auf dem Berliner Kongress teilweise zurückgenommen, vor allem hinsichtlich Bulgariens.

Unmittelbare Auslöser des Krieges waren die osmanischen Repressionen gegen die Serben und die Bulgaren nach dem Serbisch-Osmanischen Krieg sowie dem bulgarischen Aprilaufstand 1876. Russland sah sich seit jeher als Schutzmacht der Christen im Balkan und der Panslawismus forderte auch unter Berufung auf den Pariser Frieden (1856) ein Eingreifen zugunsten der Balkanvölker. Zu den strategischen Zielen Russlands zählte außerdem ein Zugang zum Mittelmeer. Neben Serben und Montenegrinern betrachten besonders die Bulgaren, die im Zuge des Krieges zum ersten Mal seit Jahrhunderten ihre Unabhängigkeit wiedererlangten, dieses Ereignis heute als die zweite Geburt ihrer Nation. In der bulgarischen Geschichtsschreibung spricht man daher offiziell vom Russisch-Türkischen Befreiungskrieg und vom Sieg über die Türken als der Bulgarischen Wiedergeburt. Der Krieg bot auch Rumänien die Gelegenheit, seine volle Unabhängigkeit zu gewinnen. Obwohl es im Gegensatz zu anderen Gebieten des Balkans nie unmittelbarer Teil des Osmanischen Reiches war, stand es zunächst offiziell unter dessen Suzeränität. In der rumänischen Geschichtsschreibung wird der Krieg daher auch als Rumänischer Unabhängigkeitskrieg bezeichnet.

Der Russisch-Türkische Krieg von 1877–1878 war der letzte Krieg zwischen europäischen Großmächten vor dem Ersten Weltkrieg. Mehr als eine halbe Million Soldaten kämpften an zwei Kriegsschauplätzen beiderseits des Schwarzen Meeres. Der Krieg dauerte länger als der Deutsch-Französische Krieg von 1870–1871 und nutzte einige der damals modernsten Waffen.

  1. Olender P. Russo-Turkish Naval War 1877–1878. STRATUS, 2017, ISBN 978-83-65281-36-4, S. 88.
  2. 1 2 3 4 Boris Urlanis: Войны и народонаселение Европы. людские потери вооруженных сил европейских стран в войнах XVII–XX вв. Teil II. Moskau 1960, OCLC 713917980, Kapitel II (scepsis.net).
  3. Cornel Scafes et al.: Armata Romania in Razboiul de Independenta 1877–1878. Hrsg.: Sigma. Bucuresti 2002, S. 149 (rumänisch, englischer Titel: The Romanian Army in the War of Independence 1877–1878).
  4. 1 2 А. Г. Мерников, А. А. Спектор: Всемирная история войн. Kharvest, Minsk 2004, ISBN 985-13-1779-9.
  5. Burkhard Asmuss: Der Berliner Kongress. Deutsches Historisches Museum, Berlin, 8. Juni 2011 https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/aussenpolitik/berliner-kongress-1878
  6. Nicholas Murray, Hew Strachan: The Russo-Turkish War and Plevna. In: The Rocky Road to the Great War: The Evolution of Trench Warfare to 1914. University of Nebraska Press, 2013, S. 45–80, doi:10.2307/j.ctt1ddr7hs.8, JSTOR:j.ctt1ddr7hs.8.