Sextus Aelius Paetus Catus

Sextus Aelius Paetus Catus war ein römischer republikanischer Politiker und Jurist an der Wende vom 3. zum 2. Jahrhundert v. Chr.

Er gehörte der gens Aelia an und war wohl ein Sohn des 216 v. Chr. in der Schlacht von Cannae gefallenen Pontifex Quintus Aelius Paetus sowie ein jüngerer Bruder des Publius Aelius Paetus (Konsul 201 v. Chr.). 200 v. Chr. war Sextus kurulischer Ädil, 198 v. Chr. Konsul (zusammen mit Titus Quinctius Flamininus), 194 v. Chr. Zensor. Er galt als gebildeter Mensch, berühmter Jurist und Schriftsteller.

Mit großer Wahrscheinlichkeit war er der Verfasser der Tripertita (auch: Ius Aelianum genannt), einem dreiteilig aufgebauten Grundlagenbuch des Rechts. Das Werk ist nur dem Namen nach bekannt, soll aber zum Vorbild für spätere Kommentarliteratur zum ius civile erhoben worden sein. In Pomponius’ Genealogie tauchte der Verfasser als der erste Jurist auf, der seine Rechtskenntnisse nicht allein mündlich, sondern auch schriftlich weitergegeben haben soll. Der dreiteilige Aufbau soll die Zwölftafelgesetze vorangestellt haben. Dem folgten in einem zweiten Abschnitt wohl die Deutungstexte (interpretationes iuris), der Priesterschaft zum hergebrachten Gewohnheitsrecht, den mores. Auch erste Interpretationen von weltlichen Juristen waren genannt. Den Texten waren die einschlägigen Geschäfts- und Klageformulare beigefügt.

Bevor weltliche Juristen die rechtliche Deutungshoheit als Fachleute übernahmen, lag das Vorrecht der interpretatio iuris allein in Händen der obersten Pontifices. Die wohl meisten der vorliegenden Zitate gingen auf diesen Abschnitt zurück. In einem dritten Abschnitt folgten die gesetzlichen Klageformeln.

  1. 1 2 Jan Dirk Harke: Römisches Recht. Von der klassischen Zeit bis zu den modernen Kodifikationen. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57405-4 (Grundrisse des Rechts), § 1 Rnr. 9 (S. 9).
  2. Detlef Liebs: Rechtsliteratur. In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): Handbuch des Römischen Privatrechts. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S. 193–221, hier S. 196 (Rn. 3).
  3. Pierangelo Buongiorno: Republik. In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): Handbuch des Römischen Privatrechts. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S. 32–53, hier S. 43 f. (Rnr. 39).
  4. Digesten 1, 2, 2, 38.
  5. Marie Theres Fögen: Römische Rechtsgeschichten. Über Ursprung und Evolution eines sozialen Systems. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002 (italienisch: Bologna 2006), ISBN 3-525-36269-2, S. 175 ff.