Simon Wiesenthal

Simon Wiesenthal (geboren 31. Dezember 1908 in Butschatsch, Galizien, Österreich-Ungarn, heute Ukraine; gestorben 20. September 2005 in Wien, Österreich) war ein österreichisch-jüdischer Architekt, Publizist und Schriftsteller.

Als Überlebender des Holocausts machte er nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen im Mai 1945 die „Suche nach Gerechtigkeit für Millionen unschuldig Ermordeter“ zu seiner Lebensaufgabe. Dadurch wurde er zu einem Zeitzeugen, der weltweit nach Tätern aus der Zeit des Nationalsozialismus fahndete, um sie einem juristischen Verfahren zuzuführen. Er gründete das Dokumentationszentrum Jüdische Historische Dokumentation in Linz und später das Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes in Wien.

Wiesenthal verstand sich nicht als „Nazijäger“, wie er im Laufe der Zeit sowohl anerkennend von Anhängern als auch ablehnend von Gegnern bezeichnet wurde, sondern eher als Rechercheur, der jene zur Verantwortung ziehen wollte, die an der geplanten „Endlösung der Judenfrage“ mitgewirkt hatten. Entsprechend lehnte er die Kollektivschuldthese nach einem frühen Umdenken ab. In seinem Buch Recht, nicht Rache unterschied er ausdrücklich zwischen „Nationalsozialisten“ und „NS-Verbrechern“. Wiesenthal sah in seiner Tätigkeit unter anderem die Pflichterfüllung, als Zeitzeuge und Überlebender des Holocausts vor dem Vergessen der Shoah zu warnen, die nicht mit Massenmord und Gaskammern begonnen habe, sondern mit der Demontage von Demokratie und Menschenrechten. Seine internationale Vortragstätigkeit stand deshalb unter dem Leitspruch „Aufklärung ist Abwehr“.

Als Autor zahlreicher Bücher, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, wollte Wiesenthal ein Vermächtnis für nachfolgende Generationen hinterlassen.