Urbanität

Urbanität (lateinisch: urbanitas, abgeleitet von urbanus: „städtisch“, im Weiteren von urbs: „Stadt“, im Besonderen von urbs Romæ: das antike Rom) bezeichnet eine Reihe von Zuschreibungen zur Analyse, Charakteristik oder Ontologie der Stadt, des „Städtischen“, der Stadtbewohner und ihrer Kultur, gerade auch ihrer Baukultur, Lebensführung, sozialräumlichen Strukturen, Milieus und Gemeinschaften.

Der Begriff ist ein vielschichtiger Gegenstand von Diskursen, Theorien, Kategorisierungen und Konzepten. Er bezieht sich auf ein weites Feld von Bedeutungen im Zusammenhang mit gebauter und gesellschaftlicher Stadt, insbesondere auf in Städten praktizierte Kulturtechniken und auf Ideale oder Merkmale wie Bildung, Ordnung und Unordnung, Toleranz, Freiheit, Indifferenz, soziale Distanz, Vernetzung, Diversität, Interkulturalität, Weltläufigkeit, Aufgeschlossenheit, Bürgersinn, feines Wesen, Raffinesse, Intellektualität, Kreativität, Sexualpräferenz, Höflichkeit, Eleganz und Schönheit sowie deren Ausdruck in Städtebau, Infrastruktur, Architektur, Innenarchitektur, Kunst, Kunsthandwerk, Mode, Politik, Lebensstil, Sexualpraktik, Sprache, Habitus und Umgangsformen. Seit jeher dient der Begriff der Abgrenzung des städtischen Lebens vom Leben auf dem Lande oder in Kleinstädten. Gegenbegriffe sind daher etwa „Rustikalität“, „Hinterwäldlertum“ und „Provinzialismus“. Das zugehörige Adjektiv ist urban, dessen Gegenbegriffe sind „rustikal“, „ländlich“, „provinziell“, „dörflich“, „bäurisch“ oder (bildungssprachlich) „böotisch“.

Der Vorgang der Urbanisierung bezeichnet dagegen die Verdichtung und Vergrößerung menschlicher Siedlungen. Die Urbanistik beschäftigt sich als interdisziplinäre Wissenschaft mit dem Studium von Städten.

  1. Blick auf zeitgenössische „Urbanitätsdiskurse“ etwa in: Peter Dirksmeier: Urbanität als Habitus. Zur Sozialgeographie städtischen Lebens auf dem Land. transcript Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1127-4, S. 21 ff. (online)
  2. Vgl. Andreas Feldtkeller: Die zweckentfremdete Stadt. Wider die Zerstörung des öffentlichen Raums. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-593-34921-3, S. 168, sowie Martina Baum: Urbane Orte. Ein Urbanitätskonzept und seine Anwendung zur Untersuchung transformierter Industrieareale. Dissertation Universität Karlsruhe (Fakultät für Architektur), Universitätsverlag, Karlsruhe 2008, ISBN 978-3-86644-286-3, S. 52 (online)
  3. Tanja Kronenwett: Neue Urbanität – Die neue Attraktivität des Wohnens im Zentrum, dargestellt am Beispiel Karlsruhe Südstadt. Diplomarbeit, GRIN Verlag, München 2007, ISBN 978-3-640-87106-3, S. 4 (online)
  4. Bernd Radtke: Stadtslogans zur Umsetzung der Markenidentität von Städten. Eine theoretisch-konzeptionelle und empirische Untersuchung. Dissertation Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf 2012, Springer Gabler, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-02872-5, S. 184 (PDF, online)
  5. Abgeleitet von dem Begriff Hinterwäldler, siehe dazu weitere Erklärungen im Eintrag Hinterwäldler im Portal textlog.de (Otto Ladendorf: Historisches Schlagwörterbuch, 1906)