Verantwortung (Organisation)

Verantwortung (englisch responsibility) ist in der Organisationslehre die Verpflichtung eines Stelleninhabers oder Managers, über die zielkonforme Erfüllung der seiner Stelle im Wege der Delegation übertragenen Aufgaben Rechenschaft abzulegen.

In Martin Luthers Bibelübersetzung aus dem Jahre 1545 erschien der Begriff Verantwortung mehrfach, immer als Übersetzung des hebräischen אחריות (tochachat) und des griechischen ἀπολογία (apologia), die beide für Rechtfertigung oder Verteidigung standen. In Kaspar von Stielers Wörterbuch von 1691 findet man für Verantwortung den Eintrag „Verantwortung: apologia, defensio“, im Jahre 1774 definierte Johann Christoph Adelung den Begriff als „von einer gerichtlichen Schutzschrift, Verteidigung oder Defension“.

Verantwortung ist untrennbar mit Gewissen und Rechenschaft verbunden, Rechenschaft ist kommunizierte Verantwortung. Bei Nichterfüllung der Aufgaben besteht die Verpflichtung des Verantwortungsträgers darin, sich den dafür vorgesehenen Sanktionen zu unterwerfen. Juristisch wird Verantwortung als die Pflicht einer Person verstanden, für ihre Entscheidungen, Handlungen und Unterlassungen in Hinblick auf die gewissenhafte Einhaltung dokumentierter Vorschriften (Gesetze, interne Arbeitsanweisung, Stellenbeschreibung) Rechenschaft abzulegen. Wird einer Person eine Aufgabe und die zugehörige Kompetenz zugewiesen, so muss sie diese ausführen und bei Fehlern für die Rechtsfolgen einstehen. Nach dem Kongruenzprinzip der Organisation sind Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung gleichmäßig zu delegieren.

  1. Tze-wan Kwan, Responsibility and Commitment, 2008, S. 192 f.
  2. Kaspar von Stieler, Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs, 1691, Sp. 2581
  3. Johann Christoph Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4, 1774, Sp. 988
  4. Joachim Karger, Verantwortung, in: Fritz Neske/Markus Wiener (Hrsg.), Management-Lexikon, Band 4, 1985, S. 1537.
  5. Knut Bleicher, Organisation: Strategien ― Strukturen ― Kulturen, 1993, S. 117; ISBN 978-3-409-31552-4