Das Duerothal bei Oporto
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Der DUORO bei OPORTO
Die Umgebungen des Duero bei Oporto spiegeln den Charakter der portugiesischen Landschaften am treuesten ab. Die Aussicht von dem mit Zinnen gekrönten Kloster, welches auf unserm Stiche die Höhe einnimmt, ist die schönste, die man sich denken kann. Die große Stadt, umgeben von einem Gürtel von Orangengärten, aus denen Pinien und Palmen anmuthig empor sich schwingen, der herrliche, von tausend Fahrzeugen belebte Strom, in der Ferne die Berge mit ihren Spitzen und Zacken, die tiefen Seitenthäler und die lieblichen Gründe, aus welchen Dörfer, Meiereien und Schlösser aus dem grünen Laubgewebe hervorlauschen, die starrenden Felswände des Stromthals, theils kahl, theils von der reichsten Vegetation verschwenderisch bekleidet, die Gelände mit den wohlgepflegten Weinbergen, welche die indianische Feige und die Aloe als Zaun umspannen, dann die gothischen und maurischen Kastelle, die Abteien, Kirchen und Wallfahrtskapellen, welche Bergen und Höhen die reichste Staffage geben, fesseln bei jedem Blick. Wie in Italien ist der Himmel meist wolkenleer, von einem blendenden, glänzenden Blau, durchsichtig, und die achtstündige Entfernung von der Küste hindert nicht, das Meer deutlich zu erkennen, daß aus den Buchten und durch das Grün der Oliven mit Silberblicken hervorlauscht. Die ganze Landschaft ist herrlich, und eine Entzauberung beginnt erst mit der Betrachtung ihres Herrn, des Menschen.
Im zweiten Bande meines Buchs (S. 102) habe ich Oporto beschrieben. 12 Jahre sind seitdem vergangen. Das Volk hatte damals seine Revolution gemacht, es kämpfte für die Charte, welche es aus den Händen Don Pedro’s empfangen hatte, gegen Don Miguels absolutes Königthum. Seitdem hat’s noch vier Revolutionen überstanden und zwei neue Konstitutionen empfangen und – nun gehorcht es wieder einem wortbrüchigen Weibe mit ihrer nichtswürdigen Kamarilla und fühlt die Last kaum, die ihm die schlechteste Regierung auferlegt, geschweige die Schande. Dumm und stumm zerrt es fort in alten Joch der Pfaffen und der Fürsten und denkt nicht einmal darüber nach, wie es dem Irrsal entrinnen und seiner Bande ledig werden möge. Es hat sich ausgesöhnt mit dem Verluste der Freiheit, und es trägt mit thierischer Apathie die Schmach der Gegenwart und die Hoffnungslosigkeit der Zukunft. Die betrogene Erwartung, der mißhandelte Stolz, das gedrückte Leben, die erneuerte Willkühr der Gewalt, die Wiedereinrichtung der alten Mechanismen, das fressende Gift despotischer Regierungsgrundsätze [76] welches das Verderben in alle Winkel des Staatsgebäudes trägt: – die ganze Masse der Fäulnis und der Auflösung ist ihm nichts mehr. Nur die Leidenschaft konnte die schlummernde Kraft des portugiesischen Volks auf Augenblicke erregen, und ein Strohfeuer anzünden, das um so eher erlöschen mußte, je höher die Lohe himmelan stieg. Aber solche Flammen heilen nicht eine todtkranke Zeit und können ein todtkrankes Volksleben nicht vor Zerstörung retten. Sie sind selbst nur ein Todeszeichen, wie das letzte Aufflackern einer Lampe vor ihrem Erlöschen.