Linz (Meyer’s Universum)

DLXXXVIII. Das Duerothal bei Oporto Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band (1848) von Joseph Meyer
DLXXXIX. Linz
DXC. Sunderland, die Kohlenstadt, an der Wear in England
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LINZ
an der Donau

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DLXXXIX. Linz.




Ein Bild aus dem gelobten Lande Oesterreich. Ja, gelobt bist du, herrliche Austria, die du, in der Fülle des irdischen Guts, kühn aufgehoben hast das dunkle, begeisternde Auge nach höhern Welten, und muthiger als viele andere deiner Schwestern, mitsangst den gewaltigen Choral, dessen feierliche Tone an das Gewölbe des Himmels schlagen, unserm Volke eine neue Zeit verkündigend. Von deinen Lippen strömte der Heldengesang der deutschen Revolution am kräftigsten, in den Herzen der Oesterreicher glüht ihr elektrisches Feuer am beständigsten, und es wird, wenn die Zeit gekommen ist, daß die Gewitterwolken sich entladen, in den furchtbarsten Blitzen herabfahren, niederschmetternd mit seinen Donnerkeilen Alles, was der Revolution feindlich entgegensteht. Wo geworfen ist der Same, aus dem das neue Volksleben sprießt, auf solchen Boden, wie in Oesterreich, da geht er auf und trägt Frucht und träte ihn des Despotismus eiserner Fuß auch zehnmal nieder. Menschwerdend ist das göttliche Prinzip der Volkshoheit in den Kreis der deutschen Stämme getreten, und wenn auch augenblicklich die Gewalt seine Anwendung hindert, so wird doch Nichts die Nation ablenken von ihrem Wege, der unausbleiblich zum Sturz der Alleinherrschaft und zur Selbstbestimmung ihrer Geschicke führt. Mit Pulver und Blei kann man wohl den Leib vertilgen; aber damit richtet man nichts ans gegen die Ideen, welche als Revolutionsprediger [77] von Gedanken zu Gedanken ziehen und aller Belagerungszustände, aller Heere, aller Kanonen, aller Windischgrätze und Jellachiche spotten. Trage denn, Austria, stolz und hoch das Haupt; denn nicht nur die Hoffnung ist dein, auch der gewisse Sieg. Wenn die giftigste der Schlangen drei Mal sich gehäutet hat, so stirbt sie. Und deine häutet sich aber jetzt zum dritten Male.


Linz, im deutschen Lande „ob der Ens“ die blühende Hauptstadt, ist gelegen im breiten, reichen Donauthale und nimmt sich von allen Seiten mit seinem Schloß auf der Höhe und seinen vielen Thürmen recht freundlich aus. Helle Straßen, schmucke Häuser, stattliche Plätze, das frohe Leben und die Rührigkeit überall, bestätigen, was man von dem allgemeinen Wohlstande der Linzer hört; aber das Schönste und Beste ist das Volk selber, ein scharf ausgeprägter, ächtdeutscher Menschenschlag, schön geformt und kraftvoll, unter unsern Stämmen einer der edelsten und eine Zierde für die ganze Nation. Herzlichkeit und Biederkeit ist des Oberösterreichers gemeinsame Lebensgabe, und mit diesen Eigenschaften verbindet sich bei den Linzern Bildung und Gesinnungstüchtigkeit. Die Schönheit der Linzer Frauenwelt ist sprichwörtlich, und dazu gesellt sich nicht selten jene geistige Anmuth, welche mehr als die reizendste Körperform fesselt.

Linz ist römischer Gründung und erscheint in der Karolinger Zeit zuerst als Zollstätte wieder. Furchtbare Schicksale hat die Stadt ertragen, und viele Stürme des Kriegs, der Belagerung und der Eroberung zogen über sie hin in so langer Zeit: – niemals ist aber ihr städtisches Leben ganz erloschen und in neuerer Zeit hat es sich auf das Freudigste entfaltet. Die Belagerungsnacht, die sie jetzt umfängt, ist nur ein schlechter Fastnachtsspaß. Der Linzer lächelt darüber, denn er weiß: wenn der Fasching da ist, ist Ostern nicht weit.