Das Schloß Leopoldskron bei Salzburg

Die Fälle des Genessee bei Rochester in Nordamerika Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band (1857) von Friedrich Hofmann
Das Schloß Leopoldskron bei Salzburg
Burg und Bad Liebenstein im Herzogthum Meiningen
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SCHLOSS LEOPOLDSKRON
bei Salzburg

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Das Schloß Leopoldskron bei Salzburg.




Die Geschichte hat eine große Macht über die Augen der Menschen. Es liegt ein grauer Stein am Weg; die Geschichte erzählt Dir, da sei ein edler Held in einem guten Kampf gefallen, und siehe, wie strahlt der Stein in Deine Augen! Mit Ehrfurcht betrachtest Du das schmucklose Denkmal eines großen Schicksals und gehst still, aber mit erhelltem Blick von dannen. Ein andermal stehst Du vor einem Werke der Kunst und des Glanzes, Du freuest Dich schon des stolzen reizenden Bildes; da erzählt Dir die Geschichte, hier habe kein guter Geist gewaltet, das Unglück für Tausende sei hier entsprungen, und siehe, ein dunkler Schleier senkt sich plötzlich über die Pracht, Du schaust sie mit Wehmuth oder mit Ingrimm an und gehst still, aber mit verdüstertem Blick von dannen.

Das schöne Schloß, das sich in der klaren Fluth des Teiches spiegelt, von Parkbäumen umrauscht und von dem kühnen Alpenhaupt und den Thürmen und Zinnen Hohen-Salzburgs überragt, lacht Dich recht freundlich an. Betrachte Dir’s noch einmal, ehe die Geschichte ihren dunklen Schleier darüber rollt.

„Salzburger Emigranten“ nennt die Geschichte jene 30,000 Unglücklichen, welche ein Kirchenfürst, ein Erzbischof der Religion der Liebe und Duldung, der Humanität und der heiligsten Weisheit erbarmungslos um ihres Glaubens willen von Haus und Hof, aus den Fluren und von den Bergen ihrer alten theuren Heimath trieb. In langen klagenden Zügen wanderten sie nach Norden, verhöhnt und mißhandelt vom katholischen Pöbel Bayerns, mit aller Liebe und Freude empfangen, gastlich bewirthet und ehrenvoll geleitet von ihren Glaubensgenossen. Noch vor wenigen Jahren stand an einem Thore der Stadt Koburg eine steinerne Kanzel, von welcher aus der oberste Geistliche die Vertriebenen willkommen geheißen und ihnen eine Predigt gehalten hatte, die mit den Worten schloß:

So seid willkommen nach langem Hoffen!
Herz, Thor und Thüren steh’n Euch offen. –

[32] Fast möchte man dem harten Priester danken, daß er einem großen Theil des deutschen Volks die Gelegenheit bot, eine Perlenreihe der edelsten Gefühle aus den braven Herzen hervorzuziehen. Viele Stunden weit zogen die Bewohner protestantischer Städte und Dörfer den Emigranten entgegen, die Alten trugen Brod und Bibeln, die Kinder den Kindern ihre liebsten Spielsachen entgegen. Es war ein Triumphzug der Glaubenstreue, den das Volk dem vertriebenen Volke bereitete. Der Vertreiber aber war Leopold Anton Eleutherius, Graf von Firmian, Erzbischof von Salzburg. Das vorliegende Bild zeigt uns eines seiner Schlösser. Weiter ist nichts davon zu erzählen.