Der Barbarigo-Palast in Venedig

DLXV. Das königliche Schloss in Ludwigsburg Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band (1847) von Joseph Meyer
DLXVI. Der Barbarigo-Palast in Venedig
DLXVII. Der Neptunstempel in Pästum
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PALAST BARBARIGO und PISANI
in Venedig.

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DLXVI. Der Barbarigo-Palast in Venedig.




Noch einmal einen Blick auf die alte Meerbraut, die, und kleidete sie sich in Lumpen, doch niemals die Hoheit und Macht, den Glanz und den Reichthum von ehedem verbergen würde! Die Gebieterin der Meere wird nie unkenntlich werden, so lang, die Löwen des heiligen Markus den Dogenpalast hüten, die Wimpeln flattern von dem Campanile und die Fluthen des Canal Grande die Marmorhäuser der alten Geschlechter bespülen. Und ist es doch, als wenn es wieder jung werden wollte! Ist doch, als ob die 14 Jahrhunderte lang gepflegte Bürgerfreiheit, welche die Lagunenstadt zur ersten Seemacht der Welt erhob, wieder aus dem Grabe erstanden wäre? Das Eviva la Republica! Eviva la Liberta! wälzt sich über die Wogen hin, und der Donner des Arsenals verkündigt dem festen Lande, daß die Wiederaufrichtung der Republik in der Dogenstadt etwas mehr sey, als der bloße Traum einer Sommernacht. Ist’s nur ein Nachblitzen der untergegangenen Sonne? oder ist’s wirklich ein Sonnenaufgang, dem ein langer, heller Tag folgt? Wenn die Venetianer selbst an ihre Freiheit glauben, so werden sie solche behalten; ist sie aber eine platirte Lüge, so wird sie bei dem ersten rauhen Antasten von Außen wieder verschwinden. Dann mögen sie zwar die Herrschaft wechseln, aber die Knechtschaft wird bleiben.


Der Palazzo Barbarigo, jenes Gebäude mit den zierlichen maurischen Bogenfenstern, hat die Weihe eines Genies empfangen. Es war Tizians Wohnung und noch schmücken mehre berühmte Bilder dieses großen Meisters die Hallen des Palastes.