Der Bischofspalast in Auckland bei Durham in England

DLV. Die Ruinen von Edfou in Aegypten Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band (1847) von Joseph Meyer
DLVI. Der Bischofspalast in Auckland bei Durham in England
DLVII. Ajaccio
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Der BISCHOFS-PALAST.
zu Durham in England.

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DLVI. Der Bischofspalast in Auckland bei Durham in England.




Ich habe Mancherlei geschrieben, auch einmal eine Zeitung für’s Volk. Das war im Jahre Einunddreißig, als die alte deutsche Eiche wieder einmal junge Sprossen der Freiheit trieb. Es währte leider! nur kurze Zeit und das Leben meiner Zeitung auch nicht lange; denn der Bundestag selig fand, noch ehe der erste Jahrgang zum Schluß kam, daß an dem Lichte, was ich dem Volke aufgesteckt hatte, genug sey auf ein volles Lustrum, und als guter Haushalter verklebte er mir für 5 Jahre den Mund. Das Pflaster war ein Heftpflaster und hätt’s Einem wohl verleiden mögen auf alle Zeit. Indessen kommt mir doch dann und wann noch die Lust an, im Volkston zu plaudern, und da schreibe ich eine Seite voll für Hansen’s Blatt, oder für Kunzen’s, und schick’s hin und frage nicht weiter darnach. – Heute nun, da ich am Universum schreiben will und der Setzer wartet, plagt mich das alle Gelüste zu ungelegener Zeit. – Lieber Leser! halte mir’s zu gut dies Einemal, wenn ich dir mit dem Styl und Inhalt der nächsten Blätter Aergerniß gebe: kannst sie ja überschlagen. –


 Meine liebe Gemeinde!

Die deutschen Pfaffen sind einmal rechte Esel gewesen. Wißt ihr warum? Ich will’s euch sagen.

Ihr seyd doch meist gereiste Leute. Ihr seyd den Rhein hinunter gefahren und den Main, und die Elbe hinab und die Weser, und habt die grauen, herrlichen Münster gesehen, die ihre Häupter bis in die Wolken stecken, und andere Zeichen von der gewesenen Macht und Pracht der Kirche und ihren Reichthum: aber erkundigtet ihr euch nach den Palästen ihrer Priester, so wies man mit spöttelndem Lächeln auf eine einfache Wohnung. Fragt ihr nach den Abteien und Klöstern, so heißt es, das sind Kammergüter; fragt ihr nach den Wäldern, die den Kirchenfürsten fürstliche Einkünfte gaben, so heißt es, es sind landesherrliche Domainen, und die prächtigen Pfaffen-Schlösser, sie werden euch als Lusthäuser der Fürsten gewiesen, ein quid pro quo, an dem der Herrgott auch keine Freude hat. – Wie ist es zugegangen mit dieser Veränderung? Wie ist das Kirchengut Fürstengut geworden und der schwelgende Prälat zum armen Pfarrer, der von seines Herrn, des Staats, Gnade kümmerlich lebt? – Ich will’s euch erzählen.

[140] Doch zuvor muß ich euch das Bild eines solchen Pfaffen aus guter alter Zeit recht leibhaftig hinstellen; denn sonst könnt ihr den Unterschied nicht gehörig fassen. – So ein Gotteskind – Bischof, Dompfaff oder Probst – kerngesund, wie eine Weintonne rund und guten Humors voll vom Scheitel bis zur Fußzehe, der war, hatte er sein Brevier zugeschlagen, der leidlichste Mensch in der Welt und der Mittelpunkt der geselligen Lust in der ganzen Gegend. So ein Erzpfaff aß euch zu Mittag ein Paar Fasanen, oder fünf Pfund Hirsch- oder Saubraten, oder einen Schinken in Burgunder gesotten und nebenbei eine Torte und ein Pfund Rosinen und Krachmandeln und trank dazu seinen Viertel-Eimer Steinwein oder Johannisberger ohne zu wanken. Ein Paar Flaschen Franzwein, oder Malaga, und ein Dutzend Begassinen machten sein Frühstück aus, ein Humpen Kardinal oder Bischoff vor dem Zubettegehen war sein Schlaftrunk, und wenn er Husten hatte oder Schnupfen, so rezeptirte ihm seine Haushälterin einen Napf voll Glühwein mit Zimmt oder Nägelein, alle halbe Stunden einzunehmen so lange, bis die Kur fertig war. – Alle Tage ging das fröhliche Leben von Frischem an; gut gegessen, gut getrunken, gefaselt und gejubelt in die Nacht hinein und geschlafen in den Tag hinaus: das war Jahr aus Jahr ein der Dinge Kreislauf im Leben der hochwürdigen Kirchensöhne von ehedem. – Gott hab’ sie selig!

Aber wie alles Gute und Böse auf Erden nur eine Zeitlang währt, so war’s auch da. Jahrhunderte hatte das Schlaraffenleben der Pfaffen in Deutschland gedauert, und die Vermehrung der Kirchengüter war während dem gewachsen fort und fort. Die Herzöge, Fürsten, Landgrafen etc. sahen schon lange mit neidischem Auge auf die reiche Kirche. Sie dachten: Ei! die Dickbäuche haben’s ja besser als wir, und viele sannen hin und her, wie sie es anders machten. Doch die Furcht vor dem Donnerkeil Roms, der auf Jeden niederfuhr, welcher Hand anlegen wollte am Kirchengute, hielt die fürstlichen Gelüste nieder. Da trat das Mönchlein in Wittenberg keck auf den Markt hin, und predigte Rebellion gegen die Pfaffenlehre und Pfaffenherrschaft, und – das Columbusei stand, der Zauber war gelöst. Den Schrecken vor Roms Bannstrahl warf Luther zugleich mit der päpstlichen Bulle in’s Feuer. Die Reformation entzog halb Deutschland der Papstgewalt: aber unsere Fürsten, schlauer als unsere Pfaffen, machten nun der Kirche eine Schirmvogtsrechnung und steckten zu deren Bezahlung das Kirchengut ein. So wurden die Klöster und Abteien Kammergüter, und die Pfaffenwälder herrschaftlich und die Paläste der Bischöfe fürstliche Schlösser; und so wurde die protestantische Kirche eine Bettlerin, die von dem Brosamen fürstlicher Milde lebte und den Gemeinden eine Last war. Unsere deutschen Pfaffen ließen sich’s aber gefallen: Sie hätten’s nicht gebraucht, und ein kräftiger, rechtzeitiger Einspruch hätte wohl Vieles retten können vom Vermögen der Kirche: aber sie versäumten den günstigen Augenblick, und deshalb sagt’ ich – „sie sind rechte Esel gewesen.“

In England, da waren sie klüger! – Als auch dort das Reformationslicht hereinbrach, standen sie wie ein Mann zusammen und erklärten der nach dem Kirchengute lüsternen Krone: – die Aenderung des Glaubensbekenntnisses [141] dürfe nichts am Bestande im Kirchengute ändern: und der König mußte dies anerkennen. Daher hat die englische Kirche das reiche Erbe behalten und die protestantischen Bischöfe und Erzbischöfe sitzen dort in ihren Palästen und verzehren fürstliche Einkünfte noch ganz so, wie vor 300 Jahren die katholischen.

Das Bild zeigt euch einen solchen Bischofssitz in Altengland von außen, und darnach könnt ihr die Pracht und Herrlichkeit und das Leben im Innern schon denken.

Auckland ist die Wohnung des Bischofs von Durham, welcher die schwere Aufgabe hat, jährlich 160,000 Gulden einzunehmen. Kein Wunder, daß es im Hause aussieht, wie im Feenschloß des Ammenmährchens, und ein anstoßender meilenlanger Park mit Berg und Thal, mit See und Wald, mit Lusthäusern, Meiereien und unzähligem Wild jeder Art macht das Paradies fertig, von dem mein englischer Beschreiber sagt: Zu schwach ist das Wort und zu ohnmächtig der Griffel, um eine richtige Vorstellung zu geben von Aucklands Herrlichkeit. –

Aber das verschlägt uns gar nichts, daß wir dergleichen Herrlichkeiten nicht auch bei uns haben und daß die protestantische Kirche in Deutschland sich hat prellen lassen. Für’s Volk ist’s Alles Eins: ob’s die Fürsten haben, oder die Pfaffen. Dem Volke bleibt doch nur das Maulwischen.