Der Leuchtthurm bei Boston

Die Prairie Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band (1857) von Friedrich Hofmann
Der Leuchtthurm bei Boston
Casas Grandes in Mexiko
  Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
[Ξ]

BOSTON LICHTHOUSE

[112]
Der Leuchtthurm bei Boston.




Fort aus der schwülen Atmosphäre der Prairie, 2000 Meilen ostwärts, in die frische Brise der See, zu einem belebenden Bad in den Fluthen des atlantischen Oceans! Welch’ herrliche Kühlung für die vertrockneten Nerven, welch’ erquickende Beschäftigung für das ermüdete Auge, welch’ anregende Thätigkeit für die erschlaffte Phantasie! – Da umgibt uns wieder Leben in tausendfacher Gestalt, die klatschenden Wogen, die sich gegen einander bäumen, ihre Gischtkämme schüttelnd und zornig zur Seite fliehend vor dem tiefeinschneidenden Bugspriet und den Schaufeln des heranbrausenden Dampfers, vorbei an der ruhig vor Anker sich schaukelnden Brigg oder an der flinken, wie eine Flaumfeder leicht über die Wasserschollen gleitenden Fischer-Barke. Die kommenden und gehenden Fahrzeuge tauschen Grüße aus, Ruderboote fliegen behende zwischen ihnen umher, Möven jagen durch’s Takelwerk, und Delphine spielen muthwillig im Kielwasser. Zwischen hinein in das Leben der nassen Fluth hat das Festland seine Posten geschoben. In abgerissenen schroffen Formen liegen vor der Mündung der Bai felsige Inseln zerstreut, Fluthbrecher, an denen unermüdlich die Brandung nagt, und der Sturm die Fahrzeuge wie Spielwerk zerschellt. Die Vorsicht der Schiffer hat ein Warnungszeichen dahin gebaut, das bei Tag und Nacht weithin die Gefahr verkündet, zu gleicher Zeit aber auch dem Lootsen, der in diesen Gewässern so daheim ist, wie unsereins in den Gängen und Räumen seines Hauses, die sichere Furth anzeigt, durch die er das ihm mit Gut und Leben anvertraute Schiff in den Hafen bugsirt. Der Leuchtthurm von Boston steht auf dem äußersten Riff dieses Felsendefilé’s und gibt den von der hohen See kommenden Schiffen das erste Signal der Nähe des Festlandes, von dem er noch circa2 engl. Meilen entfernt ist; hinter ihm reiht sich noch eine Kette ähnlicher kleiner Inseln an, die mit Befestigungen bewehrt sind und einem von der Seeseite feindlichen Nahen der Kapitale von Neu-England sicheres Verderben drohen. Das Leuchthaus steht mit diesen Forts und mit der Stadt selbst in telegraphischer Verbindung, welche die kommenden Schiffe meilenweit draußen in der See erspäht und nach der Börse von Boston berichtet, viele Stunden vor ihrem Eintreffen. Ist’s ein von Europa kommender Steamer, so ist’s jedes Mal ein Ereigniß, das die ganze Bevölkerung in Aufregung versetzt. Denn es harrt ihrer die Lösung unzähliger Hoffnungen, Freuden, Befürchtungen und Spekulationen. Ein ander Mal begleiten wir einen Steamer bis zum Hafen und betrachten uns das merkwürdige Treiben näher.