Casas Grandes in Mexiko
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CASAS GRANDES
(Mexico)
Der zerlumpte Römer im Colosseum, der schmutzige Mönch vor dem Vesta-Tempel, der verwahrloste Neugrieche auf der Akropolis, der faule Türke auf Phöniziens Schutthaufen, der räuberische Araber unter Karthago’s Säulenresten, der spanische Bettler in der Alhambra, oder gar der deutsche Bauer in den Ruinen seiner Ritterburgen und Klöster, – gleicht irgend Etwas von all’ diesem Leben der Gegenwart auf den Trümmern der Vergangenheit unserem Bilde aus der neuen Welt? Nicht bloß Meere und Jahrhunderte trennen und unterscheiden Alterthum von Alterthum. Wie des Säulencactus riesige Candelaberform zwischen diesen Ruinen dem Auge der alten Welt neu und nur diesem Boden eigenthümlich erscheint, ebenso eigenthümlich war das Kulturleben, von dem diese Mauerreste zeugen. Wer den asiatischen Buddhaismus, die afrikanischen Pyramiden mit ihren Mumien, die Fußtapfen der Nachkommen des Pelagus in den ältesten Bautrümmern Amerika’s wieder finden will, der wird endlich auch im Kaiman nur einen entarteten Nachkommen des Krokodils erkennen und den Indianer nur als kupferroth gewordenen Enkel des paradiesischen Adams und seiner weißen Eva begrüßen dürfen.
Die Casas Grandes (große Häuser) oder Casas Blancas de Montezuma (weiße Häuser des Montezuma) kommen am häufigsten vor um den Rio Gila, namentlich vom Einfluß des Rio Salimas an, bis nach Santa Fé hinauf und bis in die Gegend von Chihuahua. Sie sind sämmtlich aus Adobes (Luft- oder Schlammziegeln) gebaut, folglich aus einem Material, das dem Einfluß der Witterung nicht viele Jahrhunderte widerstehen kann. Von Steingebäuden ist bis jetzt im Bereiche der Casas Grandes noch [114] keine Spur entdeckt worden. Deshalb stehen sie ohne Zusammenhang mit den Azteken, deren Baureste wir im Artikel Pueblo de Zunni (Bd. XVII, S. 54) geschildert haben, und der Beisatz „des Montezuma“ ist von den Epigonen der kultivirteren Erbauer dieser Casas den Spaniern nur nachgesprochen. Diese Epigonen haben wir vor uns. Sie kennen die Wohnungen ihrer Vorfahren nicht mehr, sie kauern auf dem Boden, wo ihrer Väter Haus und Feld war, sie lehnen an einer Mauer, die von Rechtswegen ihr erbliches Eigenthum ist, aber vergeblich ragen die ältesten Candelaber des „Saguarro“ (wie der Säulencactus in der Sprache des Landes heißt) von Väterzeiten her zwischen den Trümmern empor, die armen Indianer sind historisch blind, und ehe sie sehend werden, ist die letzte Spur ihrer alten Heimathstätten vom öden Grunde weggewaschen.