Der Luxemburg-Palast in Paris

DCXIII. Die Sorbonne und die Universität in Paris Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band (1848) von Joseph Meyer
DCXIV. Der Luxemburg-Palast in Paris
DCXV. Lemberg
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PALAIS du LUXEMBOURG
(Paris)

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DCXIV. Der Luxemburg-Palast in Paris.




Für die neuere Geschichte ist Paris die Bühne, auf der das Schicksal als Souffleur fungirt. Es liest das Stück ruhig ab; das Uebrige thun die Pariser hinzu. Jede Gasse, jeder Markt, jeder Graben, jede Mauer, jeder Laternenpfahl hat einen gewissen Antheil an dem großen Drama, und jedem Pflastersteine ist etwas begegnet, daß des Aufzeichnens werth ist.

Dies gilt besonders von den älteren Stadttheilen. Im lateinischen Quartier ist fast keine Straße, wo nicht einst Menschen geköpft, gehängt, oder verbrannt wurden; dort wurden die ersten Früchte der freien Forschung in Religion, Staat und Wissenschaft von Henkershand auf die Scheiterhaufen geworfen; dort wogten die bürgerlichen Kriege und Aufstände am heftigsten; dort schlachtete der Fanatismus des Glaubens die meisten Opfer; dort bildeten sich die großen Geister, die Dichter, Forscher und Staatsmänner aus, die Frankreichs Ruhm sind; dort warfen die Gelehrten ihre Saaten unter die Jugend; – und noch in unsern Tagen waren dort Chateaubriand und Chenier, Beranger und Lamartine zu Hause.

Der Palast Luxemburg ist die architektonische Perle des Quartiers. Bis zur Revolution war er ein Tempel der Kunst, wie sein Urbild, der Palast Pitti in Florenz; aber in jener Zeit wurden die Bilder theils zerstreut, theils verwüstet, – der Palast selbst bald zur Kaserne, bald zum Gefängniß gemacht, und der herrliche Garten dem Volke zum Vergnügen überlassen. Die Restauration räumte den Palast der Pairskammer zum Sitzungslokal ein, bis die Revolution des vorigen Jahres jenes Institut aufhob. Die Republik hat dem Luxemburg eine feste Bestimmung noch nicht gegeben.

In einem Winkel des Gartens ist die Stelle, wo der Marschall Ney, „der Tapferste der Tapfern,“ den Tod als Hochverräther durch die Kugeln derselben Krieger starb, die er in so vielen Schlachten zum Siege geführt hatte. Die Pairskammer hatte ihn verurtheilt. War ihr darum zu thun, in’s Buch der Geschichte ihre Schande mit Blut zu schreiben, so hat sie ihren Zweck erreicht. Ludwig XVIII. hatte Ney’s Tod verlangt und der Pairsgerichtshof gehorchte dem prinzlichen Winke so sklavisch, wie ein deutsches Standgericht.

„Was ist das für ein Thurm, der nahe am Gartenthor emporragt?“ Das ist die Sternwarte, und dort wohnt Arago; der große Arago, der nächtlich forschte im Sternenreich und am Tage in der Toga des Volkstribuns sprach, oder als Minister das Steuer Frankreichs führte. Arago ist der größte Gelehrte, der schärfste der Forscher, der weiseste Bürger Frankreichs; er hat das beste Herz, er ist der ehrlichste Mann. In ihm – der sich seit der Erhebung eines elenden Betrügers auf den Stuhl des Präsidenten in’s Asyl der Wissenschaft zurückzog – lebt das Idol des Volkes und des Volkes Hoffnung auf bessere Tage.