Der erzbischöfliche Palast in Olmütz
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Der erzbischöfliche Pallast
in
OLMÜTZ
Im Jahre 860 wurde Perivina, der erste Herzog von Mähren, der die Taufe empfing, von seinem, durch die Priester des alten Kultus aufgewiegelten Volke erschlagen. Aus seinem Märtyrerblute entsproßte das Christenthum für das ganze Land, und als es bekehrt war, sendete Rom einen Oberpriester hin, dort zu predigen und zu herrschen. So wurde das Erzbisthum Olmütz gegründet, dessen Krummstab die fürstliche Krone ziert, und dessen Träger Hoheitsrecht übt und königliche Einkünfte verwaltet. Das Grundvermögen des Kapitels allein ist mehr als 6 Milionen Gulden. In Oesterreich ist es jetzt wörtlich wahr: „Wo die Kirche ein golden Dach hat, geht der Staat betteln.“
Der erzbischöfliche Palast in Olmütz (jenes hervorragende Gebäude mit den Kuppeln) ist so groß, daß er im vorigen Jahre den flüchtigen Habsburger aufnehmen konnte mit seinem ganzen Hofe, und in dem Lustschlosse des Olmützer Kirchenfürsten zu Kremsier hatte die Nationalversammlung des Reichs Raum, welche die Todesangst des Herrschers in der Stunde der Gefahr zur Rettung seiner Krone berufen hatte. Das schwache Werkzeug wurde, als die Gefahr vorüber war, weggeworfen. Es war kein Unglück für Oesterreich. – Alles wiederholt sich im Leben. Jede verwelkende Dynastie hat solche „letzte Blätter“, und das Schicksal betastet sie allemal mit schmutzigen und blutigen Fingern. – –